Hat hier jemand was von Heizdecken gesagt?

Kennen Sie Canon? Den Spiegelreflex-Marktführer und Entdecker völlig neuer Technologien in den Bereichen Autofokus und Blitztechnik? Den Erfinder der Profikameras 1DX und 5D MarkIII, die so großartig sind, dass sie lange Bückware waren? Machen Sie sich keine Sorgen: Ich kannte zwar Canon, aber diese zahlreichen Details bis vor fünf Minuten auch noch nicht. Doch dann traf der neue Veranstaltungshinweis vom Berliner DJV ein. Und damit herzlich willkommen zu einem neuen Teil unserer beliebten Serie: DJV, Dein verlässlicher Trenner zwischen Redaktion und Anzeigen.

Es ist nämlich so: Diese neuen Kameras von Canon sind technisch so innovativ, dass der handelsübliche Fotograf damit heillos überfordert ist. Oder, wie der Fachausschuss Bild des Verbandes, den wir so lieben, es formuliert: “Wer sie ergattern konnte, bemerkte, dass hier ein echter Schulungsbedarf erforderlich ist, um die teils technologisch enormen Verbesserungen zu verstehen und zu bedienen.”

Zum Glück kann man das Problem, ist er erst erkannt, leicht beheben: Man bietet einfache eine Schulung an mit jemandem, der sich mit Canon auskennt. Und angesichts der wohlwollenden Worte über den Kamerahersteller – erwähnte ich schon dessen Namen? – ahnt der gewiefte Leser vermutlich schon, wer das übernehmen könnte: Ganz recht, der Betreuer des Canon Professional Service, übrigens selbst gerade ganz frisch geschult auf den Wundermaschinen in Japan. Er kann es in der nächsten Woche, ich zitiere, “ermöglichen (…), sein neues Wissen mit uns zu teilen.”

So eine nette Geste! Und dann ist der Vortrag auch noch umsonst! Ich bin gerührt und begeistert und fasse zusammen: Canon hat so komplizierte neue Kameras gebaut, dass selbst Profifotografen sie nicht mehr zu bedienen wissen. Statt sich dessen zu schämen und Youtube-Tutorials zu drehen, besteigt das Unternehmen ein gemeinsames Boot mit unserem unabhängigen Verband, der daraufhin in seinen Räumen nicht nur eine Canon-Werbeveranstaltung schmeißt, sondern auch gleich noch einen Werbemail an alle Mitglieder versendet. Großes Tennis, aber natürlich hat der DJV sich da nichts vorzuwerfen. In Kürze, so heißt es im PS, plane der Verband eine ähnliche Veranstaltung für Kunden der Firma Nikon.


Die mit den E-Mails

Wie so viele der freundlichen Menschen aus diesem Internet war ich in der vergangenen Woche auf der Republica. Da, wie gesagt, dankenswerter Weise die meisten Internetmenschen selbst da waren bzw. für die wenigen, die es verpasst haben, bereits ihre Erkenntnisse zusammengebloggt haben, kann ich nun von etwas völlig anderem berichten.

Gestern Abend war ich bei einer Podiumsdiskussion in Pankow, bei der die Direktkandidaten für die Bundestagswahl ins Gespräch kommen sollten. Wie es meine Art ist, war ich ein wenig vor Beginn der Veranstaltung da, und so bot sich Gelegenheit für folgenden kurzen Plausch mit einem älteren Herrn, den ich hier gerne festhalten möchte.

Der alte Mann: “Warum stehen da denn sechs Stühle? So viele Parteien gibt es doch gar nicht.”

Und ich: “Doch doch: SPD, CDU, Linke, Grüne, FDP und Piraten.”

“Piraten? Ach ja, die mit den E-Mails.”

“Ähm, ja, die mit dem…Internet.”

“Ach, das ist doch alles Quatsch, das mit dem Internet. Das macht uns doch blöde! So ein dummes Zeug, ich weiß nicht, wo das mit unserer Gesellschaft noch hinführen soll, wenn sich das durchsetzt.”

“Und warum glauben Sie, dass das Internet dumm macht? Da stehen doch total viele Informationen drin! Früher musste man sich einen Brockhaus kaufen, das konnte sich auch nicht jeder leisten, heute…”

“Na gut. Aber dick macht es! Die Kinder von heute, die sitzen den ganzen Tag davor, auch nachts, wenn die Eltern schlafen. Die gehen gar nicht mehr raus, das sagt eine Studie, das habe ich in der Zeitung gelesen.”

An dieser Stelle wusste ich bereits, das ich verloren hatte, denn ich war mir ziemlich sicher, dass es keinen Mangel an derartigen Studienergebnissen gäbe sowie genug willige Printprodukte, diese abzudrucken. Doch wer gibt schon auf, wenn es die Ehre des Internets zu retten gilt? Ich versuchte es mit der ältesten aller Taktiken: Dem Ablenkungsmanöver.

“Ach, da gibt es doch viele Gründe für, dass Kinder dick werden. Aber waren Sie denn selbst schon mal im Internet?

“Na klar, ich regel da so wichtigen Kram.”

“Na sehen Sie, hat das Internet doch was Gutes.”

“Und Sie? Machen Sie Sport?

“Äh, ja… Ich gehe regelmäßig ins Internet und mache trotzdem Sport!”

“Nee, das ist falschherum: Sie machen Sport und gehen trotzdem ins Internet.”

Leider endete unser Gespräch aufgrund des eigentlichen Anlasses für unser Zusammentreffen dann plötzlich. So konnten wir uns nicht weiter austauschen, so von Filterbubble zu Filterbubble. Und ich ihm nicht mehr vorflunkern, dass mein Sport Pilates sei. Wobei er sicher gelesen hätte, dass man davon Gicht bekommt. Woraufhin ich entgegnet hätte, das verwechsele er sicher mit Yoga und beim Fußball könne man sich auch ein Bein brechen. Helge Schneider wäre stolz gewesen. Doch so weit kam es dann leider nicht mehr.


Quelle: Fernsehen

Am Samstagabend habe ich Lasagne gemacht. Das ist wichtig zu wissen, weil es sich dabei ja bekannter Weise um eines dieser Gerichte handelt, das man nach dem Erstellen noch stundenlang in den Backofen schieben muss. Wenn man so ist, wie ich es bin, nutzt man die damit entstehende Zwischenzeit zum Fernsehen. Wenn man so ist, wie das deutsche Fernsehen, bietet man zur samstäglichen Voressenszeit die Auswahl zwischen dem Bergdoktor, Galileo und K11, was mich in die Arme von Explosiv trieb.

Eine, vorweggenommen, überraschend gute Wahl war. Schließlich hätte ich sonst nie erfahren, wie unfassbar preisgünstig das Fernsehmachen heute ist. Einfach mit einer schlecht auflösenden Kamera noch schlechter aufgelöste Youtube-Knaller abfilmen, sich noch schnell ein paar unterschiedliche Namen für die Quellenangabe “dieses Internet” ausdenken und fertig ist das Vorabendprogramm.

Als kleines Service-Blog habe ich Ihnen eine Auswahl der Clips, leider nur ist statischer Form, zusammengestellt. Faszinierend, oder?

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Am allerbesten hat mir dann aber doch der Hinweis gefallen, dass RTL dafür sorgt, dass alle Videos auch wieder dorthin zurückgebracht werden, wo sie hergekommen sind:

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Sehen Sie also hier die komplette Sendung, in der aus dem Netz kopierte Vidos im Fernsehen liefen, nun online. Nachdem ich das Ganze jetzt auch noch abfotografiert und hier wiederum veröffentlicht habe, würde ich mich sehr freuen, wenn irgendein Print-Kollege dafür sorgen könnte, dass es noch ausgedruckt wird. Dann müsste nur noch jemand so freundlich sein, das dann im Radio zu erwähnen, und zum Schluss RTL den Pförtner interviewen, der den Radiomann überhaupt ins Gebäude ließ.

Das wäre dann mal vorbildlich crossmedial: Quelle: Fernsehen: Radio: Zeitung: Blog: Internet: Fernsehen: Internet. Morgen auch komplett auf rtlnow.de

Screenshot: Internet/rtlnow.de


My little corner of the world

Wenn man sich im eh nicht sonderlich hoch angesehenen Berufsfeld der Journalisten besonders schlecht stellen will, dann hat man zwei Möglichkeiten: Man macht was mit diesem Internet oder man spezialisiert sich aufs Lokale. Wie ich es von mir nicht anders erwarte, habe ich mich dazu entschlossen, beides zu verbinden und Online-Lokaljournalismus zu machen. In der heutigen Folge dieses kleinen Blogs möchte ich erklären, warum eigentlich, und damit gleich mal öffentlich die schöne Frage beantworten, die mir unlängst gestellt wurde:

“Juliane, warum greifst Du eigentlich mit beiden Händen ins Klo?”

Die Sache mit dem Online ist sehr leicht zu beantworten: Ich mag das Internet. Wenn ich abends ins Bezirksparlament gehe, steht der Text am gleichen Abend online, und nicht erst am übernächsten Morgen auf Totholz. Ich kann auf Quellen verlinken, komplette Dokumente veröffentlichen, kann mit den Lesern diskutieren und zu spät eingetroffene Stellungnahmen nachtragen. Ganz abgesehen davon, dass ich mich dafür an keine Zeilenvorgaben halten muss. Und ja – die Besucher aus dem Jahr 2002 wird das wundern: Ich kann sogar richtigen Journalismus machen. Auch wenn sich sehr beharrlich ein gegenteiliges Gerücht hält, darf man auch für Online recherchieren und mehr als dpa-Meldungen schlecht abschreiben, und überraschender Weise ist der Klickstreckenzwang doch nicht im Grundgesetz verankert. Man kann es ja nicht oft genug wiederholen: Die Qualität eines Textes hängt nicht vom Trägermedium ab. Und deshalb gibt es für mich wirklich keinen Grund, meine ausdrucken zu wollen.

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Prenzlauer Berg. Auch anders als man denkt.

 

Womit wir zum Lokalen kommen. Was in meinem Fall, das sei fairer Weise gleich eingeräumt, ja Berlin im Allgemeinen und den Prenzlauer Berg im Speziellen bedeutet. Falls etwas auf den ersten Blick klingen kann, dann tut es das hier für mich geringfügig spannender als etwa die Magdeburger Börde oder Lüdenscheid. Aber ich wohne da ja auch nicht, und genau das ist doch der Punkt: Wer gerne dort lebt, wo er lebt, findet immer spannende Geschichten. Dem gleichen Prinzip verdanken wir stündlich neue Einträge in Blogs über Rosenzüchtung, Pediküre oder Eisangeln: Hat man erst einmal angefangen, sich für etwas zu interessieren, muss man die herumliegenden Themen nur noch aufschreiben.

Aber wo wir gerade von Themen und Pediküre sprechen – widment wir uns dem größten Vorurteil: Es mag ja im lokalen Themen geben, aber die sind alle so spannend wie Fußnägelreste.

Ich denke, die größte Überraschung dieses Textes wird der nun folgende Satz sein: Man muss gar nicht über Kaninchenzüchtervereine schreiben. Obwohl ich persönlich durchaus eine 300-Zeilen-Reportage über ein Züchtertreffen und all die Absurditäten, die damit zusammenhängen, lesen würde. Dafür gibt es auch im Kleinen relevante Politik, Wirtschaft und Menschen mit spannenden Projekten, die in keinem Verein organisiert sein und zu Jahreshauptversammlungen laden müssen, um einen Text wert zu sein. Fragen Sie sich doch einfach mal, warum der Schwager des Stadtrats eigentlich sein Haus auf der letzten freien Wiese direkt am Markt errichten durfte, und Sie haben am Ende vielleicht nicht Angela Merkel entmachtet, aber doch was für den demokratischen Auftrag getan, den dieser Job so mit sich bringt.

Woran sich gleich viele kleine weitere schöne Vorteile des Lokaljournalismus anschließen: Im Gegensatz zu Angie habe ich den Stadtrat gleich am Telefon, und er wird mich mit höchster Wahrscheinlichkeit weder direkt mit PR-Floskeln zudröhnen noch darauf bestehen, in einer Freigabe die letzte Verständlichkeit aus den Zitaten herauszuprügeln. Lokal ist superdirekt. Und es verzeiht weniger Fehler. Selbst im Politikteil der SZ dürfte ich ziemlichen Quatsch über Barack Obama schreiben können, ohne dass es irgendwelche Folgen hat. Versuchen Sie das mal mit dem örtlichen Bürgermeister, den sie morgen nochmal wegen des neuen Spielplatzes anrufen müssen. Übermorgen wegen der Schulversorgung. Und in zwei Wochen wegen der geplanten Müllkippe. Womit auch gleich umrissen wäre, was den Lokaljournalismus für Menschen wie mich so spannend macht, die sich für alles interessieren, aber für nichts richtig: ich darf über alles schreiben. Als Freie hätte auf dem Markt sonst nur eine Chance, wenn ich mich spezialisieren würde, etwa auf die genaue Rolle seltener Erden in der Handyproduktion oder die Farbe der Krawatten von FDP-Politikern. Für den Fall, dass darauf nicht immer “Gelb” die richtige Antwort sein sollte.

Nein, ich werde im Lokalen vermutlich weder Prominente noch Politiker von überregionaler Wichtigkeit kennenlernen – den Witz, dass das im Fall von Herrn Brüderle für junge Journalistinnen ja auch von Vorteil sein kann, dürfen Sie jetzt gerne selber machen. Und auch die schöne Vergabe lustiger Preise an Menschen, die lieber vom Büro aus schreiben als sich vor Ort mal umzusehen, wird immer ohne mich stattfinden. Ich kenne eine Regionalzeitung, die diesen Makel zu beseitigen versucht, indem sie selbst einen Preis seltsamen Namens erschuf und ihn seit Jahren dem einzigen Investigativkollegen des Hauses verleiht. Aber ganz ehrlich: Wäre ich Lehrer oder Baggerfahrer, bekäme ich auch keinen Orden. Obwohl sie natürlich sollten. Weil sie einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. (Ich bin echt die Königin der miesen Überleitung.) Genauso wie Journalisten.

Ich hatte es ja schon angedeutet: Die Sache mit der vierten Gewalt, sie gilt auch im Lokalen. Oder besser: erst recht, weil im Zweifel sonst gar niemand draufschaut und aufschreibt, dass sich der Schwimmbadbau verzögert, weil irgendwo im Verwaltungsgetriebe zwei Millionen Euro verschwunden sind. Niemand bemerkt, dass es mit dem Recht auf einen Kitaplatz an der Basis doch nicht funktioniert. Oder aufdeckt, dass sich eine rechte Gruppierung formiert, deren Anhänger eben lieber in Dorfkneipen konspirieren als im Borchardt. Vielleicht hätten wir sogar von den Bauplänen an der East-Side-Gallery etwas früher erfahren, wenn ein paar mehr Journalisten regelmäßig im Friedrichshainer Lokalparlament rumgehangen hätten.

Was direkt zu dem Teil führt, in dem ich kurz ausfällig werde: Denn wer zur Hölle hat eigentlich beschlossen, dass diese Art von Journalismus nur mit einem Spaßgehalt honoriert werden darf? 10 Cent pro Zeile, ernsthaft? Und sogar das ist Euch Verlagen zu viel, sodass ihr den lokalen Acker lieber gleich durch Rentner und Hausfrauen mit Tagesfreizeit bewirtschaften lasst, denen der schöne Titel Leserreporter mehr als Lohn genug ist? Ach, geht sterben in Eurer Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass der von Euch so verehrte USP, den Geisterwissenschaftlern unter uns auch als Alleinstellungsmerkmal bekannt, das Lokale sein könnte.

- Schreimodus aus -

Ich mag meinen Job also, und ich kann derzeit davon auch leben, auch wenn ich es befremdlich finde, dass ich das als Vollzeit arbeitende Journalistin überhaupt dazu sagen muss. Zwei Griffe ins Klo können also durchaus auch eine gute Sache sein. Womit ein Bilderbuchhafter Themenbogen geschlagen wäre, dem ich aber zum Schluss noch einen Aspekt anhängen muss. Weil wir ja eingangs von Vorurteilen sprachen. Hier noch ein kleines Geheimnis, das leider auch unter praktizierenden Lokaljournalisten noch viel zu unbekannt ist: Es gilt auch als Lokaljournalismus, wenn nicht erwähnt wird, dass für das leibliche Wohl gesorgt wurde und der Wettergott gnädig war. Verbreiten Sie es ruhig weiter.


Bildunterschrift der Affen

Da ich ja über Berlin schreibe, gehört es zu meinem Job, Berliner Zeitungen zu lesen. Und zwar auch die mit den großen Buchstaben.

Außerdem mag ich Affen.

Aus dieser Kombination sollte es zu erklären sein, warum ich heute morgen irgendwie bei dieser Fotogalerie des Berliner Kuriers gelandet bin. In der Affen eine sogar für meinen Geschmack etwas zu große Rolle spielen. Aber sehen Sie selbst.

Es beginnt, ganz normal, mit ein paar Fotos, auf denen ein Affe zu sehen ist. Ein besonders präsenter Affe, wie die Bildunterschrift verrät. Etwa hier:

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Hier:

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Und hier:

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Der Affe Mogli hat allerdings viele Fähigkeiten. Er kann nicht nur unheimlich gut eigentliche Stars zu Statisten machen, sondern sich auch hervorragend als Papagei verkleiden:

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Eine Tarnkappe tragen:

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Und sich in den hinteren Reihen eines Flugzeugs verstecken:

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Kein Wunder, dass die eigentlichen Stars von “Türkisch für Anfänger” sich das irgendwann nicht mehr gefallen ließen. Mit bösen Konsequenzen für den Affen Mogli:

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Aus seinem Kopf ließ sich dann übrigens noch eine hervorragende Bong bauen.

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Screenshots: berliner-kurier.de


Sugar Man

Ich weiß nicht genau, wie man es schafft, so einen Film zu machen. Über einen Musiker aus Detroit, der in den 70ern zwei Alben aufnimmt, die niemand kaufen will. Zumindest niemand, der nicht seine Mutter ist und in der damals wahrgenommenen westlichen Welt lebt. Ein Mann mit mexikanischem Migrationshintergrund, wie wir Deutschen sagen würden, der sich mit Hilfsarbeiten über Wasser hält und baufällige Häuser ausräumt. Und der gleichzeitig und völlig unbemerkt von ihm in Südafrika eine riesige Karriere hinlegt – in einem in Folge der Apartheid völlig von der Außenwelt abgeschnittenem Südafrika. Wo er, “the artist known as Rodriguez”, den Sound des Widerstandes liefert. Und wo alle seine Fans den Gerüchten glauben, die ihm einen exzentrischen Selbstmord auf der Bühne nachsagen.

Dann macht sich irgendwann ein Journalist aus Kapstadt auf die Suche nach dem Künstler, dessen zwei Platten jeder kennt, aber über den niemand mehr weiß als seinen Namen. Er folgt den Spuren der Liedtexte, und so erfahren sie plötzlich voneinander: Die Fans in Südafrika und der Musiker und Bauarbeiter aus Detroit. Und alles könnte so tragisch sein – die verlorene Zeit, das niemals beim Künstler angekommene Geld, all die Songs, die nie geschrieben wurden. Doch das ist es nicht.

Weswegen “Searching for Sugarman” so ein toller Film ist.


Schwaben. Keine Pointe

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Zu den Dingen, die man über Weihnachten definitiv tun sollte, gehören ja neben der Vernichtung einer Zimtstern-Armee und einem zünftigen Familienstreit das Lesen eines guten Buches. Meine Wahl fiel in diesem Jahr unter anderem auf das wundervolle “Durchgangszimmer Prenzlauer Berg”, in welchem die beiden Autorinnen vorwendliche Künstlerbiographien versammeln. Die absolute Mehrheit der Texte beginnt mit dem Satz “Nach Berlin kam ich, als… .”

Früher waren es Sachsen, heute sind es Schwaben, die in den Prenzlauer Berg und von dort in die weite Welt ziehen. Doch dies nur als Randbemerkung.

Denn eigentlich ist es nicht dieses doch irgendwie langweilig gewordene Schwaben-Bashing, das mich nach zwei Jahren Mitarbeit bei einer Zeitung namens “Prenzlauer Berg Nachrichten” nur noch kurz die Augenbraue heben lässt (ja, ich kann das, aber nur mit rechts). Sondern es ist die Art und Weise, wie gerade ein Politiker wie Herr Thierse, der einst seinen Bundestagswahlkreis hier hatte und heute das Weihnachtsloch füllt, über den Prozess der Gentrifizierung redet. Denn ja, dieser Bezirk hat sich verändert, und das nicht nur zum Guten. Aber es war auch die Politik, die das nicht nur toleriert, sondern auch so gewollt hat. Indem sie viele Millionen Euro Förderung in die Sanierungsgebiete wie den Kollwitzplatz oder den Helmholtzplatz gesteckt und so zu dessen Aufwertung beigetragen hat, hat sie der Veränderung den Weg bereitet. Als sie dann merkte, dass so einen innenstadtnahes Gründerzeitquartier vielleicht auch von alleine ganz reizvoll als Wohngebiet sein könnte, waren die Mieten schon auf 13 Euro pro Quadratmeter geklettert. Seit, kein Witz, letztem Jahr bemüht man sich nun erstmals wieder ernsthaft, den Prozess der Veränderung politisch in den Griff zu bekommen. Bis dahin verließ man sich, wieder kein Witz, darauf, dass man die Mieten künstlich unten halten könnte, indem man den Einbau von freihängenden Klos und Handtuchhalterheizungen verböte. Was überraschender Weise nicht so gut funktioniert hat.

Ja, der Prenzlauer Berg hat ein Problem, weil er mit seinen stetig steigenden Mieten der sozialen Mischung keine Chance lässt. Und ja, es nervt auch, dass manche der Menschen, die sich für zwölf Euro kalt sogar auf dem Dach eines Lidls an der Bornholmer Straße einmieten, glauben, gleich den ganzen Bezirk mitgekauft zu haben und sich entsprechend verhalten. Aber hier leben genauso viele Menschen, die zugezogen sind und sich trotzdem Sorgen um die Entwicklung machen. Und auf der anderen Seite sind es genauso Alt-Berliner, die sich gerne auch mal in ihrer Funktion als Vizepräsident des Deutschen Bundestages darüber beschweren, dass der Kollwitzmarkt vor ihrer Haustür zu laut ist. Ja, genau, da war doch was.

Ich glaube, wir haben ein Problem. Und ich glaube, die Schwaben sind nicht Schuld daran. Und die Frage, ob Schrippen jetzt Schrippen, Wecken oder doch vielleicht Croissants heißen, kann der freundliche Herr mit dem Bart ruhig weiterhin der FDP überlassen.


Kaninchenzüchtervereine sind kein Ponyhof

Am vergangenen Wochenende war ich einmal da, wo ich mich selbst nicht vermutet hätte: Auf einem Journalistenkongress für Lokaljournalisten. Man hatte mich eingeladen, dort über die Zeitung zu sprechen, die wir liebevoll die Prenzlette nennen, und da ich ein höflicher Mensch bin, bin ich hingefahren. Nicht zuletzt auch, weil ich nicht erwarten kann, dass Menschen über das Prenzlauer-Berg-Klischee hinwegkommen, und selbst dann München meide, weil mein Bild von dieser Stadt auf einem Roman von 1930 beruht.

Die Bewohner der Hochebene waren tatsächlich ziemlich freundlich zu mir, und auch darüber hinaus habe ich einige Eindrücke mit nach Berlin gebracht, die ich hier gerne teile.

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1:1, das ist der Schlüssel vielleicht nicht zum Erfolg, aber doch zur Erstellung einer handelsüblichen Lokalzeitungsseite. Ein Redakteur ist demnach für das Befüllen einer Zeitungsseite zuständig – Zukippen oder Vollknallen wären ebenso richtige Begriffe. Schließlich ist es mit Recherche und damit Journalismus nicht mehr weit her, wenn eine Person jeden Tag sagen wir drei bis vier Artikel plus Meldungsspalte schreiben muss. Genau, selbst schreiben, denn das Budget für Freie ist meist mikroskopisch klein. Hilfe verspricht da nur der ein oder andere Vereinsbericht, der in Sütterlin verfasst mittags noch reingereicht wird. Qualitätsjournalimus sieht anders aus. Kostet aber Geld, das deutsche Verlage zumindest im Lokaljournalismus derzeit nicht ausgeben mögen.

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Junge Journalisten haben keine Lust auf Lokalzeitungen. Was zum einen daran liegt, dass sie überall hin wollen, nur nicht in die Provinz. Und zum anderen daran, dass sie dort gerne neben einem Gehalt weit unter Tarif die Verantwortung für eine nach dem Schlüssel 1:1 zu füllende Seite erwartet statt einer Ausbildung. Lehrjahre seien eben keine Herrenjahre, meinte ein für die Volontäre bei privaten Radiosendern verantwortlicher Herr. Eine junge Volontärin hielt dagegen, dass kein angehender Jurist oder Arzt sich Zustände wie im Journalismus bieten ließe. “Schnell weg von hier” war der Titel dieses Panels. Ich persönlich glaube ja, dass unter den derzeitigen Bedingungen tatsächlich viele Nachwuchskräfte sehr schnell die Flucht ergreifen. Und zwar Richtung PR.

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Trotz der hohen Arbeitsbelastung können auch Lokaljournalisten noch investigative Recherchen stemmen. War die Botschaft, die etwa ein Redakteur des General-Anzeigers aus Bonn vermitteln wollte oder sollte, der von der Aufdeckung des Bauskandals um das World Conference Center Bonn berichtete. In einem Nebensatz ließ er dann irgendwann fallen, wann er und seine Kollegen recherchiert hätten: Nach Feierabend.

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Danke der Nachfrage. Aber warum sollte ich meine Online-Zeitung unbedingt ausdrucken wollen?

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Überhaupt: dieses Internet. In dem Panel, das sich mit regionaler Online-Recherche befasste, kam die Frage auf, wer Twitter nutze. Ich bin schlecht im Schätzen, tue es trotzdem: Vielleicht zehn Prozent der Anwesenden hoben ihre Hände. Also zehn Prozent der Lokaljournalisten, die sich noch aufraffen können, an einem Kongress teilzunehmen, der auch an einem arbeitsfreien Samstag stattfindet, und zudem dort eine Veranstaltung mit Online-Bezug aufsuchen. Man muss ja nicht gleich seine Seele an die sozialen Netzwerke verkaufen. Aber will man als Medienschaffender nicht wenigstens wissen, wie sie funktionieren?

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Im gleichen Vortrag wurde erklärt, dass man Bilder aus der Wikipedia auch kommerziell nutzen darf. Sofort erkundigte sich ein anwesender Chefredakteur, welche Quelle dann angegeben werden müsse. Und ich sah ihn schon am nächsten Tag seine Fotografen entlassen.

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Nachdem ich den eigentlichen Anlass meiner Reise erfüllt und mit den Kollegen ein wenig über alternative Lokaljournalismus-Projekte im Internet gesprochen hatte, kam eine Journalistenschülerin auf mich zu. Und bedankte sich, weil die das erste Mal überhaupt eine Online-JournalistIN gesehen hätte. “Ich dachte schon, man müsse unfassbar Technik-affin sein und Html können für dieses Job”, meinte sie. Erst da fiel mir auf, dass ich als junge Journalistin für eine Online-Zeitung im Osten Deutschlands die vierfache Quote erfüllte.

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Auf dem Weg zum Bahnhof setzte sich in der S-Bahn ein gut Betrunkener mir gegenüber, wobei er mir gegens Bein trat. Sofort entschuldigte er sich überschwänglich. Ich war völlig irritiert: Das heißt doch “Pass doch auf, Du Schlampe.”


Wozu so ein Machtwechsel alles gut ist

Was bringt eigentlich der Machtwechsel in China? Diese Frage stellt sich der Spiegel nicht nur in seiner aktuellen Ausgabe, sondern auch in der dazu passenden Anzeige, die gerade auf Spiegel Online herumflasht.

Netterweise muss man für die Beantwortung dieser Frage gar nicht erst das Printprodukt kaufen – die Lösung liefert die Werbung. Ich zähle auf: Der Machtwechsel in China bringt…

sowie

und dann noch

Ein Messerset! Gratis! Dass dafür gleich ein Riesenreich wie China seine Führungsriege austauschen muss, erscheint mir zwar ein wenig übertrieben. Aber hey, da sind funky Zeichen drauf auf den Messern.

Und wenn sie jetzt bestellen, bekommen Sie den Machtwechsel in Kuba noch dazu. Lieferbar in den Farben Rot.

Screenshots: spiegel.de / Mit Dank an Philipp


For Ossis only

Die Festangestellten unter uns werden es wissen: In dieser Woche gibt es mal wieder einen Feiertag, den wir in diesem Fall der feinen Tatsache verdanken, dass vor 22 Jahren aus zwei Deutschlands eins wurde, die meisten nennen das Ganze Wiedervereinigung.

Für den Deutschen Jounralistenverband bietet dieses historische Datum den richtigen Rahmen, um am Wochenende zum Ostdeutschen Journalistentag zu laden. Dem ersten, wie der DJV selbst schreibt, dem ersten nur für Ossis, wie ich meine. Schließlich gibt es viele gute Gründe, Journalisten in Ost- und Westdeutschland fein säuberlich voneinander zu unterscheiden, von denen mir spontan nur leider kein einziger einfällt. Nicht mal die Bezahlung. Wir bekommen ja mittlerweile alle unter Tarif. Und nein, ich werde hier und jetzt kein Wort darüber verlieren, dass dies vielleicht ein wichtigeres Arbeitsfeld für den Verband Deutscher Journalisten sein könnte als die Organisation von Tagen für Ostdeutsche oder Reisen unter der Flagge von Wiesenhof.

Doch zurück zum Ostdeutschen Journalistentag, denn wenn es ihn schon gibt, kann man sich wenigstens kurz fragen, was ihn denn so besonders macht und von seinem westlichen Vetter unterscheidet. Ein Buffet aus Spreewaldgurken wird es wohl nicht sein, auch wenn man im Allgemeinen die Bedeutung von Buffets für den Journalismus ja nicht unterschätzen darf.

Vielleicht vermag das Grußwort dabei weiter zu helfen, welches von Dagmar Reim kommt, Intendantin des RBB – so ostdeutsch, dass man sich für ihre Kollegin vom MDR entschieden hätte, war man dann doch nicht:

„Was bewegt die Menschen in der Lausitz? Welche Trends entstehen gerade in Berlin­ Neukölln? Worüber redet man diese Woche in Potsdam? (…) Im Span­nungsfeld von Stadt und Land, von Ost und West ist eine regionale Identität entstanden, die sich längst nicht mehr allein an Gegensätzen abarbeitet, sondern Gemeinsames betont. Mehr von diesem Selbstverständnis wünsche ich mir für Ostdeutschland als wichtige Region in der Mitte Europas.

Na, das ist doch mal eine versöhnliche Ansage. Bis auf den letzten Satz:

“Der ERSTE OSTDEUTSCHE JOURNALISTENTAG ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.“

Ja. Denn wo das Vereinende ist, wächst das Trennende auch. Fragen Sie ihren Dialektiker, wie das zusammengeht.

Zum Glück gibt es ja noch ein Programm, das uns vielleicht etwas mehr Aufklärung verschaffen kann, was den Ostdeutschen unter den Journalisten denn gerade besonders beschäftigt. Wenn ich kurz zusammenfassen darf: Die Wahlen in den USA scheinen eine große Rolle zu spielen, die Finanzierung investigativer Recherchen, Business-Englisch, Vorratsdatenspeicherung, irgendwas mit Gratiskultur – und natürlich die Thematisierung von Rechtsextremismus. Im Westen kann mit sowas natürlich keiner etwas anfangen. Vielleicht hätte Frau Reim mit ihren Kenntnissen über Menschen in der Lausitz, Neukölln und Potsdam dem Ganzen noch etwas Lokalkolorit verschaffen können, doch der RBB fungiert bei der Veranstaltung nur als Grußwort-August, Räumlichkeiten-Steller (übrigens in West-Berlin) und Medienpartner. Wie das Ganze dann zu diesem Bewerbungs-Video führen konnte, wird in seiner Fragwürdigkeit wohl nur dem Gesamtkontext gerecht:

Und das nächste Mal wundere ich mich dann darüber, warum eigentlich auf dem Ostdeutschen Journalistentag fast viermal so viele Männer auf dem Podium sitzen wie Frauen. Schließlich war damals nicht alles schlecht, insbesondere nicht die Sache mit der Gleichstellung der Geschlechter. Aber vielleicht gibt es auch einfach keine richtige Podiumsbesetzung im Falschen. So wird es wohl sein.