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Frank Henkel macht’s richtig

Ich bin untröstlich, aber wir müssen über die Berliner Wahlplakate reden.

Die SPD zum Beispiel:2016-08-03 11.25.23

Im Matheunterricht der Schule, die ich besuchte, wurde das Ergebnis immer größer, wenn sich das Zusammenzurechnende vermehrte. Einzige Ausnahme waren negative Werte – aber wenn Berlin derzeit negative Lehrerzahlen vorwiese, würde ich ich das eher nicht auf einem Wahlplakat inserieren.

Auch nicht besser: die begrenzte Weltoffenheit. „Lass mal ne Mauer um das Wort ziehen, weil… Berlin und so.“

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Noch schöner wird es nur, wenn man weiß, dass diese Plakate im migrationshintergründigen Gesundbrunnen überall hängen, im benachbarten Prenzlauer Berg aber nicht. „Weil… sollen die Türken erstmal weltoffen werden.“ Dafür kann guten Gewissens der Horst-Seehofer-Integrationspreis in Gold verliehen werden.

Und zum Dritten:

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Wer von Euch möchte der SPD mitteilen, was mit den bezahlbaren Mieten in den vergangenen Jahren passiert ist, und sich bei der Gelegenheit erkundigen, welche Partei eigentlich zuletzt regiert hat, während die offenbar benötigten städtischen Wohnungen nicht gebaut wurden?

Auch die Grünen enttäuschen nicht.

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Ich habe noch einmal nachgeschlagen: Einer Henne in Freilandhaltung stehen vier Quadratmeter Freifläche zu. Aber sie ist immer noch eingesperrt und muss regelmäßig eine größere Menge Eier abliefern, möchte sie nicht geschlachtet werden.

Entweder ist das ein sehr verschlüsselter Hinweis, dass das mit Orwell, der NSA und den Illuminaten alles noch viel schlimmer ist, als gedacht. Oder es ist einfach ein sehr schlechter Claim.

Ganz andere Probleme haben derweil die Linken.

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Es ist mir sehr unangenehm, zu fragen. Aber ist der Kandidat verstorben?

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Und Oma Anni auch?!

Das alles ist aber noch verträglich im Vergleich zu diesen den meisten vermutlich rein gar nichts sagenden Gesichtern.

Plakate

Ich weiß, diese Nachricht wird Sie überraschen: Aber die wollen gar nicht alle Berlins Bürgermeister werden. Denn die Stadt wählt am 18. September nicht nur ihren Next Wowi Müller (fragen Sie nicht), sondern auch Bezirksparlamente, Bezirksbürgermeister und Direktkandidaten fürs Abgeordnetenhaus. Und glauben Sie nicht, diese Erklärung wäre überflüssig.

Seit gestern taucht in meiner Facebook-Timelime immer wieder dieser Artikel vom RBB auf, der erklärt, was diese Berliner Bezirkspolitik eigentlich ist und macht. Die verzweifelten Teiler sind alle in eben dieser aktiv und bestätigen, was ich in meinen Jahren als Redakteurin der Prenzlauer Berg Nachrichten immer wieder erlebte: Die Bezirkseben nimmt niemand wahr, solange nicht gerade vor der Tür ein Baum gefällt wird und die angesprochene Senatsverwaltung die Zuständigkeit von sich weist.

Aber das bedeutet natürlich nicht, dass man auf diesen Plakaten mal vermerken müsste, für welchen der diversen ausgeschriebenen Posten sich die werten Herrschaften denn nun bewerben. Schöner kann man dem Wähler gar nicht sagen, dass diese Angelegenheit eh ein wenig zu hoch für sein kleines Spatzenhirn sei und er sich um so was keine Gedanken machen müsse. „,Alles auf Grün‘. Um den Rest kümmern wir uns dann schon.“

Wer fehlt noch in der Einzelkritik? Die Piraten! Well:

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An dieser Stelle muss ich bekennen, dass ich eigentlich ein bisschen Fan bin der Pankower Piraten, weil sie als einzige Oppositionspartei im Pankower Bezirksparlament tatsächlich Opposition machen und penetrant nachfragen und gegen all das „Das haben wir schon immer/noch nie so gemacht“ anrennen, das diese Institutionen so lähmt. Und sich nicht davon abhalten lassen, wenn sie auch nach fünf Jahren immer noch von den anderen Parteien dafür ausgelacht werden (wortwörtlich gesprochen. Die lachen die Piraten wirklich aus, wenn sie wieder ne Nachfrage haben oder sich einer von ihnen als sinnlos empfundenen Bürokratie verweigern). Die sind ein Pain in the ass, und das tut der Demokratie im Bezirk ganz gut – völlig unabhängig von Inhalten.

Weil ich all das weiß, weiß ich aber auch, dass die abgebildete Telefonnummer nicht etwa zu einem extra zu diesem Zweck angeschafften Prepaid-Handy gehört. Das ist die zumindest bis vor kurzem private Nummer von Herrn Schrecker, auf der ihn auch seine Mutter anruft, und dass er die im Sinne der absoluten Transparenz auf Plakate druckt, ist irgendwie toll, aber auch sehr, sehr verstörend.

Womit wir zum großen Fazit kommen können (AfD-Plakate habe ich bislang keine gesehen; zur FDP fällt auch mir nichts mehr ein. „Zeit für das nächste Berlin“ – was soll das sein? Berlin, Virginia?). Das da lautet: Die einzige Partei, deren Plakatmotiv sich gleich erschließt und alle benötigten Informationen liefert, ist die CDU.

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Fotos: jw

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Im Fieberwahn

Ist doch schön, wenn zumindest einer in Berlin vom Olympia-Fieber gepackt wurde: der Berliner Senat. So lässt er es zumindest seit zwei Wochen über seinen Landespressedienst ausrichten:

22. Januar

„Regierender Bürgermeister eröffnet olympische und paralympische Wochen in Berlin“

„Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller gibt am morgigen Freitag (…) am Brandenburger Tor das Startsignal für die Olympischen und Paralympischen Wochen in der Hauptstadt, die ihr Interesse an der Ausrichtung der Spiele 2024 oder 2028 bekundet hat.“

23. Januar

„Müller eröffnet olympische und paralympische Wochen: ,Wir wollen die Begeisterung für Olympia in die ganze Stadt tragen“

„(…) Michael Müller: ,Wir wollen in den kommenden Tagen zeigen, wie groß der Kreis der Unterstützer bereits jetzt schon ist.‘ (…) Auch der Senat von Berlin wird in den kommenden beiden Wochen mit einer Vielzahl von Aktionen für Olympia in Berlin werben. So wird Sportsenator Henkel am 30. Januar 2015 bei einem Rundgang im Olympiastadion mit Menschen mit Handicap die Barrierefreiheit des Areals zum Thema machen und zeigen, dass in Berlin auch hier sehr gute Voraussetzungen bestehen. Gesundheitssenator Czaja wird bei einem Sitzvolleyballspiel mit dem Behindertensportverband mitspielen. Bildungssenatorin Scheeres wird u.a. auf einer Pressekonferenz die Bedeutung Olympias für die sportbetonten Schulen hervorheben. Bausenator Geisel lädt zu einem Besuch des geplanten Olympischen Dorfes in Tegel ein, Senator Heilmann verteilt Pfannkuchen mit dem Olympia-Werbe-Logo, Senatorin Kolat wird sich zusammen mit den Wirtschaftsverbänden in Pressekonferenzen mit den positiven Auswirkungen von Olympia in Berlin für den Arbeitsmarkt befassen.“

28. Januar

„Landesbeirat und Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung sind für die Paralympics in Berlin“

„Neun Mal Ja für Olympia in Berlin, zwei Enthaltungen und zwei Mal Nein: So hat der Landesbeirat für Menschen mit Behinderung zur Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in Berlin abgestimmt. Im Anschluss an eine Diskussion zur Berliner Bewerbung (…) hat der Vorsitzende des Landesbeirats, Berndt Maier spontan ein im Ergebnis für die Bewerbung Berlins ermutigendes Meinungsbild herstellen lassen.“

30. Januar

„Sonntag wird der Fernsehturm Lichtsymbol der Berliner Olympia-Kampagne – Brandenburger Tor bis dahin in Olympia-Look“

„,Wir wollen die Spiele!‘ – noch bis Samstag um Mitternacht leuchtet das Brandenburger Tor in den bunten Farben von 100 Nationalflaggen und verkündet in großen Lettern das Motto von Berlins Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele 2024 oder 2028. Seit dem Start der Olympischen und Paralympischen Wochen durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, am 23. Januar 2015 ist das weltbekannte Wahrzeichen der Hauptstadt spektakulär im Olympia-Look illuminiert.“

30. Januar

„Müller lädt zur Teilnahme am Berliner Olympialauf ein: ,Dabei sein ist alles!'“

„(…) Müller: ,Wir wollen die Spiele! Das ist die Botschaft des Berliner Olympialaufs. Die Veranstaltung bietet allen Berliner Sportfreunden die Chance zu zeigen, dass sie Olympische Spiele in unserer Stadt wollen. (…)“

3. Februar

„Das Olympia-Fieber steigt“

„(…) im Rahmen der Olympischen und Paralympischen Wochen besuchen Jugendstaatssekretärin Sigrid Klebba und der Direktor des Landessportbundes Berlin, Dr. Heiner Brandi, am kommenden Mittwoch für einen gemeinsamen Foto-Termin mit sportbegeisterten Kindern den Kindergarten am Olympiastadion.“

4. Februar

„,Wir wollen die Spiele!‘ – Müller dankt Air Berlin für Unterstützung“

„Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, nimmt am Donnerstag, 5. Februar 2015, an der Präsentation des Brandings ,Wir wollen die Spiele!‘ auf einem Flugzeug des Typs A320 der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin teil (…) Müller vorab: ,(…) Air Berlin ist ein hervorragendes Beispiel eines Unternehmens in unserer Stadt, das sich wie viele andere auch für unsere gemeinsame Olympia-Kampagne ‚Wir wollen die Spiele!‘ engagiert. Air Berlin ist dafür deshalb besonders prädestiniert, weil die Gesellschaft national und international als sympathischer Botschafter Berlins fungiert.'“

Fortsetzung folgt, nehme ich mal an.

Ich wünschte, die Politiker dieser Stadt legten einen vergleichbaren Eifer an den Tag, wenn es darum ginge, Themen wie schimmlige wie überbelegte Schulen, von Einsparungen bedrohte soziale Einrichtungen oder marode Brücken anzugehen (ganz recht, fünf Jahre Lokaljournalismus in Berlin haben mich bitter gemacht). Aber im Olympia-Fieber zu sein ist natürlich cooler als in dem für, sagen wir, Pankower Sozialpolitik.

Aber wenn der Landespressedienst noch ein wenig weiter agitiert, wird sicherlich bald auch der letzte Berliner begriffen haben, dass mehrtägige Wartezeiten im Bürgeramt und Knochenbrüche dank mieser Gehwege ein völlig angemessener Preis sind für die Freude, die einem so ein ökonomisches Marketing- sportliches Großereignis zu bereiten vermag.

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Mehr Licht

In den vergangenen Monaten habe ich mich ausführlich mit dem Pankower Bezirkshaushalt auseinandergesetzt.

Gut. Das klingt jetzt erstmal so, als ob ich mir sonst gerne bei vollem Bewusstsein die Fingernägel herauszöge und nachts auf einem Nagelbrett schliefe, um mich danach über dessen Weichheit zu beschweren. Ganz so schlimm ist es nicht. Aber da ich ja schon Online-Lokaljournalismus mache, den Pullunder tragenden, müffelnden Stiefvetter aus der eh nicht sonderlich beliebten Familie des Journalismus, dachte ich, kommt es darauf jetzt auch nicht mehr an.

Berichte über kommunale Haushalte sind lokaljournalistischer Alltag. Wenn nicht gerade eine Gruppe Rentner ihren einzusparenden Treffpunkt besetzt und damit zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich zieht (Yes, I am looking at you, Stille Straße), sieht die Berichterstattung gerne so aus:

Haushalt

Hier ist das Gesamtwerk, aus dem diese Top-Informationen extrahiert wurden.

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Man kann wirklich niemandem einen Vorwurf machen, der sich das in diesem Fall fast 500-seitige Werk nicht in seiner Gesamtheit zu Gemüte führt – schon gar nicht jemandem, der jeden Tag eine komplette Zeitungsseite zu befüllen hat, wie es in vielen Lokalredaktionen mittlerweile üblich ist. Aber da steht drin, wo die Verwaltung unser ach so geliebtes Steuergeld zu investieren plant. Wenn wir uns schon permanent auf die Schulter klopfen und uns unserer Wichtigkeit als vierte Gewalt vergewissern, sollten wir es lesen.

In den vergangenen Monaten habe ich genau das gemacht, und man kann es ruhig öfter sagen: Ohne die Unterstützung der Rudolf Augstein Stiftung wäre das nicht möglich gewesen. Das kleine Start-up Prenzlauer Berg Nachrichten hätte sich das einfach nicht leisten können.

Was lernt man also, wenn man so viel Zeit mit einem Bezirkshaushalt verbringt?

Erstens: So kompliziert ist das alles gar nicht. Da steht einfach nur fein säuberlich aufgelistet, wie viel Geld in der Vergangenheit für unterschiedliche Dinge ausgegeben wurde und wie viel dafür in Zukunft eingeplant ist.

Standesamt

Zweitens: Die Definition der unterschiedlichen Dinge und die Vorgabe, wie sie zerlegt über den Haushalt zu verteilen sind, stammen von den Machern der Steuererklärung.

Ein Beispiel: In einem Teil des Bezirks kostet Parken Geld. Es wird also durch Parkscheine und Knöllchen Geld eingenommen, für Kontrolleure, Automaten und Verwaltungsgedöns aber auch wieder welches ausgegeben. Ein Teil dessen wird in einem extra Wirtschaftsplan Parkraumbewirtschaftung abgerechnet, ein Teil steht im Haushalt selbst, und damit das Ganze richtig lustig wird, wird noch munter Geld zwischen Haushalt und Wirtschaftsplan hin- und hergebucht (wer sich ernsthaft dafür interessiert, wie es funktioniert: bitteschön).

Diese Regelung wird damit begründet, dass man für Transparenz habe sorgen wollen. Blöd nur, dass nicht einmal die damit betrauten Lokalpolitiker das System vollständig verstanden zu haben scheinen. Falls ich mich irgendwann mal ins Geldwäscher-Business absetzen sollte, weiß ich jetzt zumindest, wo ich Inspiration für das Verschleiern der Herkunft von Geld bekomme. Danke, Bezirkshaushalt Pankow!

Eine ebenso gute Empfehlung gibt es auch für alle, deren Ausgaben auf wundersame Weise jedes Jahr steigen und denen die Argumente fehlen, das ihren Lohnerhöhungen eher abgeneigt gegenüberstehenden Chefs zu verklickern. In Pankow schreibt man einfach „Mehr in Anpassung an den tatsächlichen Bedarf“ daneben, und gut ist. 99 Mal tauchen diese oder ähnliche Formulierungen im Haushalt auf. Und wer will schon in 99 Einzelfällen nach den eigentlichen Ursachen fragen?

Nein, auch ich habe das nicht gemacht (hole das aber gerne nach, falls mir jemand ein kleines Rechercheteam mit viel Zeit finanzieren möchte). Aber einen Fall habe ich mir rausgepickt. Nicht alleine, weil ich keine Ahnung hatte, was diese Eingliederungshilfen eigentlich sind, für die Pankow 80 Millionen Euro und damit über 10 Prozent seines Haushaltsbudgets ausgibt.

Was ich herausgefunden habe, steht in voller Länge nebenan (und ja, auch ich erwarte, dass das Internet den Text bald angewiedert abstößt, weil er sehr lang und recherchiert ist und das große Gesetz des Onlinejournalismus doch nur maximal 5000 zusammengecopypastete Zeichen erlaubt. Erst recht, wenn es sich dabei um Lokaljournalismus handelt).

Hier will ich nur kurz sagen, dass in diesem seltsamen Konstrukt namens Bezirkshaushalt krasse Themen stecken, die es zu hinterfragen lohnt. Nein, das ist nicht investigativ und man braucht dafür weder einen geheimen Briefkasten noch ein Faible für Treffen in Parkhäusern. Statt dessen ist es eigentlich Kategorie Alltag, jedes Jahr sollte man das machen. Doch es geht einfach nicht. Weil die Zeit fehlt, ebenso wie die Idee, wie man das auf Dauer und unabhängig von einmaligen Geldsegen finanzieren sollte.

Ich kann nicht abstreiten, dass mich das nervt. Ich gehöre schon zu den privilegierten Lokaljournalisten, die einen statt sechs Artikel pro Tag schreiben sollen und daher Zeit haben, sich Dinge vor Ort anzuschauen und mit mehr als einer Person zu sprechen. Doch an die eigentliche Ursache, das wirkliche Thema, komme ich oft trotzdem nicht ran. Ist das Gift unter dem Thälmann-Park wirklich so ungefährlich, wie der Senat sagt? Ist der Personalmangel die Ursache für die Defizite im Sozialamt, wie die Stadträtin meint? Ganz zu schweigen von den vielen Themen, die unbearbeitet im Haushalt zurückbleiben, wenn ich ihn nun weghefte. Und all denjenigen, die ich in ihm vermisst habe (Welche sozialen Träger bekommen wie viel Geld? Welche Betriebe engagiert der Bezirk für seine vielen Baustellen?).

Es geht ja gar nicht um Skandale. Es geht nur um Transparenz, die zu schaffen nunmal in der Jobbeschreibung steht.

Die Kollegen, die jeden Tag in der gut gefüllten Bundespressekonferenz sitzen, können sich das wohl kaum vorstellen. Aber im Lokaljournalismus ist man oft allein auf weiter Flur. Jeder, der dort irgendwas macht und veröffentlicht, ist schon ein Gewinn. Dennoch fühle ich mich oft wie jemand, der mit einer kleinen Taschenlampe in einem riesigen Keller steht und mal hierhin leuchtet, mal dorthin.

Ich hätte aber gerne Flutlicht.

Seit vier Jahren schreibe ich über Prenzlauer Berg. Von vielem, was mir im Haushalt begegnet ist, hatte ich noch nie etwas gehört. Dank der Augstein-Stiftung konnte ich nun einen kleinen Leuchtturm errichten, um im Bild zu bleiben. Der steht nun in dem unübersichtlichen, 800 Millionen schweren Haushalt des Berliner Bezirks Pankow mit seinen fast 400.000 Einwohnern.

Das ist wirklich schön. Aber es reicht einfach nicht.

Manchmal frage ich mich, was für coole lokale Angebote man online machen könnte, allein mit dem Budget einer Folge „In aller Freundschaft“. Denn das gehört zu einer medialen Grundversorgung; eine Zeitung für einen 400.000-Einwohner-Bezirk tut das nicht (wobei man ja eigentlich zwei bräuchte, Medienvielfalt und so). Keine Ahnung, ob die Finanzierung über eine Medienabgabe letztendlich wirklich eine gute Lösung wäre. Aber ich weiß, dass wir derzeit Geld haben für journalistische Leuchtturmprojekte, für Multimediareportagen über die Arktis und für ziemlich viele Kochshows. Aber im Lokalen sitzen wir im Dunkeln.

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Wer hat denn nun immer recht?

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Heute Vormittag habe ich mir mal das neue Museum in der Kulturbrauerei angesehen – selbstverständlich beruflich, wer kann schon vormittags einfach ins Museum gehen? (Gut, ich war da, ich kann die Frage beantworten: Rentner, Schulklassen, pensionierte Oberstudienräte, hatte ich schon Rentner gesagt? und urbane Penner wie ich.)

„Alltag in der DDR“ heißt das gute Stück, stammt von der Stiftung Haus der Geschichte aus Bonn, muss Unmengen an Geld verschlungen haben und bezieht seine Existenzberechtigung daraus, dass es im Gegensatz zum privaten DDR-Museum ohne Klischees, dafür wissenschaftlich sein möchte.

Gezeigt werden folglich: Ein Trabi mit Zelt auf dem Dach, Unmengen an Tempo-Bohnen, Schnatterinchen, ein großes Honecker-Foto und im Hintergrund läuft wahlweise „Das Lied der Partei“ oder irgendwas von Udo Lindenberg. Wäre Kati Witt im FDJ-Hemd aus der Original-Schrankwand gesprungen, Olli Geißen hätte sofort mit der Moderation einer weiteren DDR-Nostalie-Show vor Ort beginnen können. Oder könnte es noch. Die Ausstellung soll ja von Dauer sein.

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Nun sind wir Berliner ja an die Verschwendung von Steuern (fühlen die sich eigentlich einsam, wenn man sie ohne ihr Anhängsel „-gelder“ verwendet?) gewöhnt, und eine Investition mehr in eine Privatfernsehkulisse soll da nicht stören. Aber wir müssen noch über die wissenschaftlich fundierten Texte sprechen, und da wird es dann doch etwas ärgerlich.

Ich zitiere aus der Erinnerung: Die Häuser waren grau. Die Fassaden waren grau. Die Straßen waren grau. Die Autos waren grau. Fürs Essen musste man immer Schlange stehen. Immer. Es gab kaum Essen. Es gab keine Kleidung. Es herrschte Mangel an allem. Die Häuser waren grau. Die Wohnungen hatten kein fließendes Wasser. Die Mode war grau. Es herrschte Mangel. Sagte ich schon, dass die Häuser grau waren?

Und, das beste: Der Sozialismus drang tief ins Privatleben ein und das führte dazu, dass 1959 sogar das Kleingartenidyll organisert werden musste und der Verband der Kleingärtner gegründet wurde. Ich meine: Hallo?! Kleingärtner? Organisiert in einem Verband? Das hätte es im Westen… oh, Moment: Wir sprechen von Kleingärtnern? Den Typen, die sich selbst gegenseitig vorschreiben, wie viel Rasenfläche so ein Garten zu haben hat und nach welcher Himmelsrichtung die Gartenzwerge ausgerichtet werden?

Sie merken, worauf ich hinauswill: Es war ja nicht alles schlecht  Ich werde den Eindruck nicht los, dass diese Ausstellung, die mitten in Prenzlauer Berg liegt, ausschließlich von Bonn aus konzipiert wurde.

Eine Einschätzung, mit der ich übrigens nicht alleine bin. Im Gästebuch haben viele vermerkt, dass sie als Ostdeutsche, ohne die Diktatur verharmlosen zu wollen, sich auch vor der Wende herausgenommen hätten, das ein oder andere Mal glücklich zu sein, und sie sich in dieser Ausstellung folglich so gar nicht wiederfänden. Was jemanden dazu ermutigte, das Buch zu redigieren – ich nehme mir mal die Freiheit, das hier zu dokumentieren:

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Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und wer schreibt, dass seine Kinder Hobbys hatten und er auch in der DDR mal zufrieden war, muss bei der Stasi gewesen sein.

Sagte ich schon, dass die Ausstellung zeigen möchte, dass auch in der DDR, ich zitiere, „nicht alles schwarz und weiß war“?

Da ist dann wohl noch Optimierungsbedarf. Long way to go, Ostwestdeutschland.

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Die mit den E-Mails

Wie so viele der freundlichen Menschen aus diesem Internet war ich in der vergangenen Woche auf der Republica. Da, wie gesagt, dankenswerter Weise die meisten Internetmenschen selbst da waren bzw. für die wenigen, die es verpasst haben, bereits ihre Erkenntnisse zusammengebloggt haben, kann ich nun von etwas völlig anderem berichten.

Gestern Abend war ich bei einer Podiumsdiskussion in Pankow, bei der die Direktkandidaten für die Bundestagswahl ins Gespräch kommen sollten. Wie es meine Art ist, war ich ein wenig vor Beginn der Veranstaltung da, und so bot sich Gelegenheit für folgenden kurzen Plausch mit einem älteren Herrn, den ich hier gerne festhalten möchte.

Der alte Mann: „Warum stehen da denn sechs Stühle? So viele Parteien gibt es doch gar nicht.“

Und ich: „Doch doch: SPD, CDU, Linke, Grüne, FDP und Piraten.“

„Piraten? Ach ja, die mit den E-Mails.“

„Ähm, ja, die mit dem…Internet.“

„Ach, das ist doch alles Quatsch, das mit dem Internet. Das macht uns doch blöde! So ein dummes Zeug, ich weiß nicht, wo das mit unserer Gesellschaft noch hinführen soll, wenn sich das durchsetzt.“

„Und warum glauben Sie, dass das Internet dumm macht? Da stehen doch total viele Informationen drin! Früher musste man sich einen Brockhaus kaufen, das konnte sich auch nicht jeder leisten, heute…“

„Na gut. Aber dick macht es! Die Kinder von heute, die sitzen den ganzen Tag davor, auch nachts, wenn die Eltern schlafen. Die gehen gar nicht mehr raus, das sagt eine Studie, das habe ich in der Zeitung gelesen.“

An dieser Stelle wusste ich bereits, das ich verloren hatte, denn ich war mir ziemlich sicher, dass es keinen Mangel an derartigen Studienergebnissen gäbe sowie genug willige Printprodukte, diese abzudrucken. Doch wer gibt schon auf, wenn es die Ehre des Internets zu retten gilt? Ich versuchte es mit der ältesten aller Taktiken: Dem Ablenkungsmanöver.

„Ach, da gibt es doch viele Gründe für, dass Kinder dick werden. Aber waren Sie denn selbst schon mal im Internet?

„Na klar, ich regel da so wichtigen Kram.“

„Na sehen Sie, hat das Internet doch was Gutes.“

„Und Sie? Machen Sie Sport?

„Äh, ja… Ich gehe regelmäßig ins Internet und mache trotzdem Sport!“

„Nee, das ist falschherum: Sie machen Sport und gehen trotzdem ins Internet.“

Leider endete unser Gespräch aufgrund des eigentlichen Anlasses für unser Zusammentreffen dann plötzlich. So konnten wir uns nicht weiter austauschen, so von Filterbubble zu Filterbubble. Und ich ihm nicht mehr vorflunkern, dass mein Sport Pilates sei. Wobei er sicher gelesen hätte, dass man davon Gicht bekommt. Woraufhin ich entgegnet hätte, das verwechsele er sicher mit Yoga und beim Fußball könne man sich auch ein Bein brechen. Helge Schneider wäre stolz gewesen. Doch so weit kam es dann leider nicht mehr.

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Bildunterschrift der Affen

Da ich ja über Berlin schreibe, gehört es zu meinem Job, Berliner Zeitungen zu lesen. Und zwar auch die mit den großen Buchstaben.

Außerdem mag ich Affen.

Aus dieser Kombination sollte es zu erklären sein, warum ich heute morgen irgendwie bei dieser Fotogalerie des Berliner Kuriers gelandet bin. In der Affen eine sogar für meinen Geschmack etwas zu große Rolle spielen. Aber sehen Sie selbst.

Es beginnt, ganz normal, mit ein paar Fotos, auf denen ein Affe zu sehen ist. Ein besonders präsenter Affe, wie die Bildunterschrift verrät. Etwa hier:

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Hier:

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Und hier:

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Der Affe Mogli hat allerdings viele Fähigkeiten. Er kann nicht nur unheimlich gut eigentliche Stars zu Statisten machen, sondern sich auch hervorragend als Papagei verkleiden:

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Eine Tarnkappe tragen:

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Und sich in den hinteren Reihen eines Flugzeugs verstecken:

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Kein Wunder, dass die eigentlichen Stars von „Türkisch für Anfänger“ sich das irgendwann nicht mehr gefallen ließen. Mit bösen Konsequenzen für den Affen Mogli:

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Aus seinem Kopf ließ sich dann übrigens noch eine hervorragende Bong bauen.

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Screenshots: berliner-kurier.de

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Schwaben. Keine Pointe

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Zu den Dingen, die man über Weihnachten definitiv tun sollte, gehören ja neben der Vernichtung einer Zimtstern-Armee und einem zünftigen Familienstreit das Lesen eines guten Buches. Meine Wahl fiel in diesem Jahr unter anderem auf das wundervolle „Durchgangszimmer Prenzlauer Berg“, in welchem die beiden Autorinnen vorwendliche Künstlerbiographien versammeln. Die absolute Mehrheit der Texte beginnt mit dem Satz „Nach Berlin kam ich, als… .“

Früher waren es Sachsen, heute sind es Schwaben, die in den Prenzlauer Berg und von dort in die weite Welt ziehen. Doch dies nur als Randbemerkung.

Denn eigentlich ist es nicht dieses doch irgendwie langweilig gewordene Schwaben-Bashing, das mich nach zwei Jahren Mitarbeit bei einer Zeitung namens „Prenzlauer Berg Nachrichten“ nur noch kurz die Augenbraue heben lässt (ja, ich kann das, aber nur mit rechts). Sondern es ist die Art und Weise, wie gerade ein Politiker wie Herr Thierse, der einst seinen Bundestagswahlkreis hier hatte und heute das Weihnachtsloch füllt, über den Prozess der Gentrifizierung redet. Denn ja, dieser Bezirk hat sich verändert, und das nicht nur zum Guten. Aber es war auch die Politik, die das nicht nur toleriert, sondern auch so gewollt hat. Indem sie viele Millionen Euro Förderung in die Sanierungsgebiete wie den Kollwitzplatz oder den Helmholtzplatz gesteckt und so zu dessen Aufwertung beigetragen hat, hat sie der Veränderung den Weg bereitet. Als sie dann merkte, dass so einen innenstadtnahes Gründerzeitquartier vielleicht auch von alleine ganz reizvoll als Wohngebiet sein könnte, waren die Mieten schon auf 13 Euro pro Quadratmeter geklettert. Seit, kein Witz, letztem Jahr bemüht man sich nun erstmals wieder ernsthaft, den Prozess der Veränderung politisch in den Griff zu bekommen. Bis dahin verließ man sich, wieder kein Witz, darauf, dass man die Mieten künstlich unten halten könnte, indem man den Einbau von freihängenden Klos und Handtuchhalterheizungen verböte. Was überraschender Weise nicht so gut funktioniert hat.

Ja, der Prenzlauer Berg hat ein Problem, weil er mit seinen stetig steigenden Mieten der sozialen Mischung keine Chance lässt. Und ja, es nervt auch, dass manche der Menschen, die sich für zwölf Euro kalt sogar auf dem Dach eines Lidls an der Bornholmer Straße einmieten, glauben, gleich den ganzen Bezirk mitgekauft zu haben und sich entsprechend verhalten. Aber hier leben genauso viele Menschen, die zugezogen sind und sich trotzdem Sorgen um die Entwicklung machen. Und auf der anderen Seite sind es genauso Alt-Berliner, die sich gerne auch mal in ihrer Funktion als Vizepräsident des Deutschen Bundestages darüber beschweren, dass der Kollwitzmarkt vor ihrer Haustür zu laut ist. Ja, genau, da war doch was.

Ich glaube, wir haben ein Problem. Und ich glaube, die Schwaben sind nicht Schuld daran. Und die Frage, ob Schrippen jetzt Schrippen, Wecken oder doch vielleicht Croissants heißen, kann der freundliche Herr mit dem Bart ruhig weiterhin der FDP überlassen.

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Eine Frage der Ehre

Ich schreibe ja viel zu selten in dieses Blog. Einer von vielen Gründen dafür ist, dass ich mit Schreiben auch mein Geld verdiene, und bei der Auswahl zwischen Schreiben für Geld und Schreiben für Spaß gewinnt meistens Ersteres. Irgendwie muss ich ja klarkommen mit den steigenden Kaffeepreisen.

Einen nicht unerheblichen Teil meiner Einkünfte bestreite ich damit, dass ich mich dem sogenannten hyperlokalen Journalismus hingebe, der im Falle von Berlin nicht die Berichterstattung über einen alleinstehenden Baum, sondern über einen Stadtteil mit knapp 150.000 Einwohnern mit sich bringt. Ganz recht, es ist der mit den Kindern. Ich telefoniere also, treffe Leute, stelle Anfragen, was man so alles unter Recherchieren versteht, schreibe das Herausgefundene auf, veröffentliche es auf einer Zeitungsseite im Internet und verdiene damit Geld.

So ähnlich wollen es nun auch die Kollegen von der Berliner Morgenpost handhaben – also das mit der Berichterstattung aus den Berliner Bezirken: Mit Recherchieren, Rausgehen, Schreiben und so, nur eben ohne Geld. Ich nehme an, aus irgend einer Perspektive wird auch das nach Qualitätsoffensive aussehen. Vom Mars aus vielleicht.

Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Viel mehr beschäftigt mich das Symbolfoto, das sie zur Bebilderung ihrer Werbung um die sogenannten Leserreporter ausgewählt haben. Ich muss Sie zur Veranschaulichung der Sache kurz rüber bemühen, immer dem Link nach. Die Verlage sind ja derzeit etwas pingelig, wenn es um das Einbinden ihrer Inhalte auf externen Websites geht.

So stellt man sich im Springer-Verlag also die kleine Armee an Freiwilligen vor, die ehrenamtlich bzw. für die Ehre, auf morgenpost.de veröffentlichen zu dürfen, kostenlos Artikel schreibt: Jung, weiblich, gutaussehend, und mit der Fähigkeit gesegnet, gleichzeitig ein iPad halten und in einer Windmaschine stehen zu können. Multitasking ist für Journalisten Leserreporter schließlich schon mal eine gute Voraussetzung.

Trotzdem stellen sich mir da einige Fragen: Kann die junge Dame die unentgeldliche Arbeit als Praktikum verbuchen? Oder hat sie einfach reiche Eltern und muss gar kein Geld verdienen? Wie hoch ist da die Wahrscheinlichkeit, dass sie in diesem Fall nicht schon längst ein iPad hat, mit dem die Morgenpost außer mit der Ehre ihre Reporter zu ködern versucht? Und ist das Tragen von Strickjacken nicht per Gesetz nur SZ-Redakteuren vorbehalten?

Laut dem Chefredakteur der Morgenpost liegen die Bewerberzahlen für diese Posten schon im dreistelligen Bereich. Das sind immerhin fast 0,003 Prozent aller Berliner! Was auch ungefähr der Anzahl der wirklich Reichen dieser Stadt entsprechend dürfte. Demnach freue ich mich schon sehr, demnächst auf morgenpost.de zeitnah informiert zu werden, wenn in Dahlem gerade der Kaviar knapp wird oder der Kudamm in die Pelzsaison startet. So sind die jungen Dinger immerhin weg von der Straße… und rauf auf den Boulevard. Oder den Digital Highway. Oder so.

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Berlins repräsentierender Bürgermeister

Klaus Wowereit ist ein vielbeschäftigter Mann, völlig klar, dass er sich da nicht um so banale Kleinigkeiten wie die Fertigstellung eines Großflughafens kümmern kann. Dafür hat er Angestellte, die… man sicherlich bald ausfindig gemacht haben wird.

Aber womit ist unser Klaus eigentlich beschäftigt, wenn er nicht gerade Sekt aus Pumps trinkt? Der Pressedienst des Landes Berlin sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit darüber immer auf dem Laufenden bleibt. Hier eine kleine Auswahl seiner Aktivitäten aus den vergangenen drei Wochen:

  • Wowereit begrüßt luxemburgisches Großherzogs-Paar
  • Wowereit zum Titelgewinn der Berlin Volleys: „Großartiger Erfolg für die Sportmetropole Berlin“
  • Wowereit zur Taufe der easyJet-Maschine auf den Namen „Willy Brandt“
  • Wowereit: „Noch ein Sieg bis zur Meisterschaft: Berlin drückt den Eisbären die Daumen
  • Wowereit empfängt Berlin Volleys zur Meisterfeier im Rathaus
  • Wowereit gratuliert den Eisbären zur Rekordmeisterschaft. „Krönender Abschluss einer souveränen Saison“
  • Wowereit zur Eröffnung des Towers des neuen Flughafens BER
  • Wowereit empfängt die Eisbären im Berliner Rathaus
  • Wowereit: Girls’ Day ist wichtige Institution – Regierender ist diesmal Mentor für zwei Mädchen aus Neukölln
  • Wowereit würdigt Axel Springer zum 100. Geburtstag
  • Wowereit gibt Essen zum 75. Geburtstag von Berlins Ehrenbürger Sigmund Jähn
  • 1. Mai: Wowereit dankt Polizei sowie Bürgerinnen und Bürgern
  • Wowereit eröffnet 6. Berliner Europa-Forum im Berliner Rathaus
  • Wowereit beglückwünscht Berliner Bühnenverlegerin Maria Müller-Sommer zum 90. Geburtstag
  • Wowereit übergibt Theaterpreis Berlin an Sophie Rois
  • Wowereit überreicht Bundesverdienstkreuz an die Berliner Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper
  • Wowereit empfängt Fußballjugendmannschaft von Hertha 03 Zehlendorf: „DFB-Pokal nur noch fünf Tage im Rathaus zu sehen“
  • 25 Jahre Städtepartnerschaft Berlin-Paris: Wowereit besucht Partnerstadt
  • Wowereit begrüßt steigende Einbürgerungszahlen in Berlin
  • Wowereit: Lange Nacht zeigt Berlin als wichtigen internationalen Industriestandort – „Tolle Idee“
  • Wowereit: „Die Luftbrücke wird immer unvergessen bleiben“

Klingt nach einem zeitraubenden wie einnehmenden Beruf. Alleine der Aufwand, den so ein Empfang für steigende Einbürgerungszahlen macht! Schließlich kann man so gern gesehene Gäste nicht mit Aldi-Sekt und Salzstangen begrüßen.

Aber was lernt unser geliebter ProblemBER aus der Sache? Für ihn bieten sich nach Analyse der dargelegten Fakten nur zwei Möglichkeiten: Entweder sollte er sich möglichst bald um ein Bundesverdienstkreuz bemühen. Oder am Girlsday teilnehmen. Andernfalls dürfte es mit einer Audienz beim Repräsentierenden äußert schwierig werden.

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Verlängerte Eröffnungszeiten

Ich kann nicht glauben, dass sich ernsthaft jemand darüber wundert, dass sich diese Sache mit dem Flughafen nun um ein paar unmaßgebliche Wochen verzögert. Jedem, der schon mal eine Berliner Baustelle gesehen hat, wo traditionell drei Bauarbeiter einem vierten beim Baggerfahren zusehen, hätte das klar sein müssen. Auch andere Gewerke haben alles, außer Ahnung. Und ja, ich weiß, wovon ich sprechen: Bei mir war gestern Nachmittag ein Mensch in Blaumann, um die neue Therme zu reparieren.

Womit wir schon eins der größten Probleme umrissen hätten: Die frisch eingebaute Gastherme ist kaputt. Sie macht Geräusche, laute Geräusche, und ohne hier zu sehr auf die detaillierte Funktionsweise einer solchen Anlage eingehen zu wollen, in die ich mir dank des Internets mittlerweile einen gewissen Einblick verschaffen konnte: Nein, das Geräusch sollte nicht sein, und ja, das schöne Wort Heizkreispumpe spielt dabei eine zentrale Rolle.

Nur drei Wochen, nachdem die Hausverwaltung von dem Problem erfuhr, hatte sie schon die für den Einbau verantwortliche Firma informiert, die wiederum sieben Tage brauchte, um sich dazu durchzuringen, sich den Schaden mal anzusehen. Gestern war es dann so weit, und ich hatte mir zur Feier des Tages den Nachmittag freigeschaufelt, um den netten Blaumannträger auch reinlassen zu können. Eine völlige Fehlinvestition, wie mir schon kurz nach dessen Eintreffen klar wurde, als er die Begrüßungsformel mit dem Satz beendete: „Und das ist die Therme? So ein Modell habe ich noch nie gesehen.“

Hervorragend. Im Laufe der nächsten zehn Minuten stellte sich dann noch heraus, dass der Herr mehr oder weniger flüssig aus Bedienungsanleitungen vorlesen kann, während er mir das Lesen und Verstehen derartiger Texte nicht zutraut. Zudem ist er in der Lage, per Handy Kollegen zu konsultieren, die entweder um kurz nach drei schon Feierabend oder auch keine Ahnung haben. „Man kann ja nicht alles wissen“, waren die Worte, mit denen er sich verabschiedete. Ganz recht, warum sollte man als Berliner Firma bei der Ansage „Therme XY der Firma Z hat ein Problem mit der Heizkreispumpe“ auch einen Mitarbeiter schicken, der sich mit sowas auskennt.

Was uns zurück zu Flughafen bringt und der Tatsache, dass Berliner Handwerker eben nicht alles wissen können. Erst recht nicht, dass diese Riesenbaustelle schon Anfang Juni fertiggestellt sein sollte. Das hatte ihnen vermutlich keiner gesagt, außerdem stand es nicht in der Bedienungsanleitung, und überhaupt, es ist schon halb zehn, Zeit für das dritte Frühstück. Denn das ist das einzige, was garantiert pünktlich erfolgt.

Womit wir zum Schluss und zum versöhnlichen Fazit des Ganzen kommen: Für die Flughafenbetreiber und alle anhängenden Unternehmen ist diese Verschiebung natürlich ein herber Schlag. Aber man denke nur an die Mettbrötchenfertigenden Betriebe. Die machen nun endgültig das Geschäft ihres Lebens.