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Ich bin die Zukunft

Der Freitag vom 15. Oktober 2015

Berlin-Kreuzberg, 11.30 Uhr. Das Klischee sitzt: Die hellen Büroräume in einer alten Fabriketage erreicht man über einen zugestellten Hinterhof und ein abgelatschtes Treppenhaus. An der Stahltür hängt kein repräsentatives Namensschild, sondern eine handbeschriftete Karteikarte. Wenn man eintritt, fällt der erste Blick auf leere Club-Mate-Flaschen. Im Raum nebenan werkelt die Redaktion an neuen Computern. Alle hier sind jung, alle sind unfassbar gut gelaunt und alle könnten jederzeit aufstehen und die Hauptrolle in einem Werbefilm für glutamatfreie Frühstücksflocken übernehmen.

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Schaflos in Köln

Brand Eins vom Oktober 2015

Für einen Friedensbringer kommt die kleine Kehrmaschine ganz schön aggressiv daher. Rasant fährt sie auf die Jugendlichen zu, die es sich vor dem Kirchenportal gemütlich gemacht haben. Im letzten Augenblick flüchten sie, sodass die Maschine unter der Führung des lässig am Lenkrad kurbelnden Müllmanns verstreute Chipstüten, Glasscherben und Zigarettenstummel aufsaugen kann. Kaum ist der Job erledigt, kehren die geflüchteten Jugendlichen zurück: Die Mission der Maschine, den Platz friedlich zu räumen, ist damit doppelt gescheitert.

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Das System hält die Hand auf

Krautreporter vom 4. März 2015

Zwischen Schlaganfall und Papierkrieg lagen für Walter Behrend* nur ein paar Wochen. Eben noch hatte der 52-Jährige mit beiden Beinen im Beruf gestanden. Nun musste er plötzlich nicht nur mit starken körperlichen Einschränkungen kämpfen, sondern auch mit einem überaus komplizierten Sozialsystem, von dem er nur wusste: Irgendwo hier sollte ihm jemand helfen können. Aber wer genau, blieb ihm lange unklar.

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Das kostet Pankow

Prenzlauer Berg Nachrichten vom 27. November 2014

Fast 800 Millionen Euro wird der Bezirk Pankow 2015 ausgeben, über 100 Millionen mehr als 2011. Was kostet so viel, wo kann man sparen, und was haben unsere Parks damit zu tun? Eine Infografik.

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Der einreisende Reporter

Prenzlauer Berg Nachrichten vom 29. Oktober 2014

Holger Kulick hat ein besonderes Talent. Er kann unfassbar unaufgeregt Geschichten erzählen, die direkt aus einem höchst spannenden Spionageroman zu stammen scheinen: Wie er nachts nach einem illegalen Konzert mit seinem Käfer voller Oppositioneller in eine Polizeikontrolle geriet. Wie Diplomaten für ihn Filmmaterial über die Grenze schafften. Wie er als Reporter ins Chemiekombinat Bitterfeld geschmuggelt wurde und aufgrund seines zur Tarnung geliehenen, viel zu kurzen Arbeitsoveralls fast aufgeflogen wäre.

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Stadtlust

Journalist vom Juni 2013

Eine Menge Deutsche müssen ziemlich unglücklich sein mit ihrem Wohnort. Anders lässt sich kaum erklären, dass fast drei Viertel von ihnen in Städten leben, aber am Zeitungskiosk vor allem Magazine zu finden sind, die das Landleben preisen. Sie heißen Landidee, Liebes Land, Mein schönes Land oder Landspiegel. Die Landlust als Mutter dieser Zeitschriften kam zuletzt auf unglaubliche 1,1 Millionen Exemplare. So hoch lag die verkaufte Auflage im ersten Quartal 2013 – mehr als Spiegel oder Stern.

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Bye Bye Bio-Biotop

Prenzlauer Berg Nachrichten vom 7. November 2012

In Prenzlauer Berg zu wohnen ist schon längst mehr als eine einfache Adressangabe. Es ist eine Diagnose, und die Symptome sind weithin bekannt: im Biomarkt einkaufende, spätgebärende Milchkaffee-Trinker, die aus Schwaben hergezogen sind und alteingesessene Clubs wegklagen. Wohin man auch kommt, das Prenzlauer-Berg-Klischee ist immer schon da. Auch weit über die Grenzen von Berlin hinaus.

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Kaufrausch auf Kosten der Stadt

(taz vom 9. Juni 2012)

Den Friedrichshainern wird ihr Spreeufer langsam, aber sicher zum Ärgernis. Schon die riesige O2-Mehrzweckhalle zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße wird von vielen als Fremdkörper empfunden – nun soll direkt daneben ein Shoppingcenter entstehen. „Spree Shopping Berlin“, so der Arbeitstitel, den der Bauherr dem Vorhaben verpasst hat. 120 Läden sollen auf 25.000 Quadratmetern und drei Etagen unterkommen – das entspricht etwa zwei Dritteln des „Alexa“ am Alexanderplatz. Braucht Berlin wirklich noch so einen Kasten mit dem selben Angebot wie alle anderen?

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Der Wienerle Kongress

(taz vom 5. Februar 2012)

Der schäbige Tagungssaal im Bezirksamt Pankow gehört eigentlich nicht zu den klassischen Auftrittsorten eines Techno-DJs. Trotzdem war Dr. Motte im vergangenen Jahr hier regelmäßiger Gast – um sich mit seiner Initiative „Stoppt K21“ über den Umbau der Kastanienallee zu beschweren.

Alle sechs Wochen tagt in der Pankower Fröbelstraße das Parlament, das offiziell auf den umständlichen Namen Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hört. Zwölf BVVs gibt es in Berlin, eine pro Bezirk, aber wer keine Baustelle vor seiner Haustür zu beklagen hat, weiß oft herzlich wenig darüber.

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Grüße von Ralf an den Portier vom Adlon

(taz vom 6. Januar 2012)

Auf dem Oberdeck ist man auch schon morgens um neun bestens gelaunt. „Hallo, Oberdeck!“, begrüßt Ralf, der Reiseführer, vom Unterdeck des Busses über das Mikrofon die dort versammelten Rentner. Die grüßen mit heftigem Getrampel zurück. Es folgt ein „Hallo, Unterdeck!“ und auch dort Getrampel. „Für wen war das denn? Für die Berliner Mäuse?“, fragt Ralf. „Schreib alle meine Witze mit, die sind gut“, hat er beim Besteigen des Reisebusses gesagt – so soll es sein.

Seit dem vorangegangenen Tag ist die 60-köpfige Gruppe aus dem Ruhrgebiet in Berlin. Frühmorgens sind sie mit dem Doppeldecker in Essen losgefahren, haben mittags im Park Inn am Alexanderplatz eingecheckt und später einen Bummel durch die Hackeschen Höfe absolviert. Heute folgt eine eintägige Stadtrundfahrt mit Stopps zum Fotografieren. Nach fünf Tagen wird es für alle wieder nach Hause gehen, ganz ohne auf einem Bierfahrrad den Verkehr aufgehalten, den Anwohnern der Admiralbrücke den Schlaf geraubt oder in einer Ferienwohnung Kiezbewohner verdrängt zu haben. Sie machen vielmehr, was man von Touristen erwartet: im Hotel wohnen, in vermeintlichen Ur-Berliner Kneipen fettig essen – und Stadtrundfahrten unternehmen.

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