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Fashion Is Danger

In meiner Berufung als schreibende Spezialistin für Berliner Bezirkspolitik und Fashion wollte ich an dieser Stelle kurz mitteilen, was die Wintersaison 2016/17 an Damenoberbekleidung zu bieten hat. Das durfte ich nämlich erfahren, als ich gerade in der Mittagspause versuchte, mal eben einen Herbst-Winterpullover zu kaufen.

Also, Folgendes:

  1. Sehr, sehr dicke Wollpullover, geeignet für eine Polarexpedition, bauchfrei.
  2. Pullover, die in ihrem vorigen Leben ein Zelt waren und nicht einsehen, diese liebgewonnene Form nun aufzugeben.
  3. Pullover mit so großen Ausschnitten, dass man nichts drunterziehen kann, in sehr, sehr kratzig.
  4. Pullover mit überdimensionalen U-Boot-Ausschnitten, die bis zum Bauch runterrutschen.
  5. Pullover mit American-Football-Gedächtnis-Schultern.
  6. Pullover mit viel zu kurzen Armen. Bis zum Ellbogen etwa. Natürlich auch in sehr, sehr dick.
  7. Pullover in Senfgelb.
  8. Pullover aus dem gleichen Material wie diese leicht abzuwischenden Gartentischdecken.
  9. Pullover, die hinten bis in die Kniekehlen hängen und vorne gerade so über die Brust gehen.
  10. Pullover mit Tigeraufdruck, auf denen ein Arm den anderen frisst.
  11. Pullover, die hinten eine Reißverschluss haben. Because they can.
  12. Pullover aus Fleece.
  13. Pullover in Tannenbaumform: oben eng, unten weit.
  14. Pullover, die nur Menschen mit winzigen Köpfen über eben jene bekommen.
  15. Blaue Pullover mit V-Ausschnitt und Zopfmuster und angeschlossener Ausbildung zur Bürokauffrau.

Next stop: Ich ziehe in ein Land mit Temperaturen, die den Erwerb von Pullovern unnötig machen. Oder ich gründe ein mit der Realität regelmäßig in Kontakt stehendes Modelabel. Muss ich mich nur noch entscheiden.

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Was von den Römern übrigblieb

Ich hatte es ja schon erwähnt, ich war im Urlaub. Und zwar, das kann man wohl zugeben ohne gleich wieder gemaßregelt zu werden, man belästige das Internet mit seinem Privatleben, in Italien.

Das Schöne am Reisen ist ja, zumindest meiner Meinung nach, dass man immer dazulernt. Zumindest in den Fällen, in denen man sich nicht auf einer deutschsprachigen Insel namens Mallorca in einen Buffet-Bunker einschließen lässt. Auch in Italien konnte ich mein Wissen mal wieder um einiges erweitern, und da ich den Fleischessern unter den Lesern meine Tiraden über den Mangel an vegetarischen Alternativen außer Irgendwas mit Tomate-Mozzarella ersparen möchte, belasse ich es hier bei den Top 3 der Urlaubserkenntnisse anno 2011:

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3.: Das Müllproblem Neapels ist kein urbaner Mythos

Natürlich hatte ich es vorher schon im Fernsehen gesehen. Aber da alles, was per Medium aus Italien kommt, irgendwie einen Hauch Bunga Bunga mit sich trägt, hielt ich die Geschichten über die Müllberge zu Neapel doch für irgendwie aufgeblasen, implantiert und zurechtgezerrt.

Bis ich es mit eigenen Augen sah:


Wobei das letzte der Bilder natürlich nicht eine öffentliche Mülldeponie, sondern die Attraktion der örtlichen Kirmes darstellt. Aber die Gemeinsamkeiten sind doch offensichtlicher als das Trennende.

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2.: Die Steuererklärung heißt Steuererklärung, weil es sich dabei um eine Erklärung handelt, die man am Steuer verfasst.

Zumindest für den Fall, dass man Fahrer eines Überlandbusses in Süditalien ist, den der nachmittägliche Straßenverkehr von Neapel nicht davon abhält, die Suche nach der Autobahnauffahrt damit zu verkürzen, lästigen Papierkram zu erledigen. Das Steuern eines riesigen Busses durch schmale Straßen, die statt wie vorgesehen ein- gleich dreispurig befahren werden, die Kommunikation per Handy und das gleichzeitige kettenhafte Auswickeln von Bonbons sind schließlich nicht erfüllend genug. Und irgendwann muss dieser Wisch fürs Finanzamt ja ausgefüllt werden.

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1.: Die Volksbank Bari ist Fan von Domenico Modugno und Mario Adorf hat auch mal Volare gesungen.

Wenn man eine kleine Stadt an der apulischen Küste ist, dann hat man es wirklich nicht leicht, wenn man sich denn unbedingt abgrenzen will von all den anderen kleinen Städten an der apulischen Küste. Ein Glück, wenn man dann einen berühmten Menschen als Sohn der Stadt promoten kann, der nicht nur einen Fantasienamen trägt, sondern auch noch einen Welthit wie „Volare“ geschrieben hat. In Polignano a mare ist man auf jeder Fall so stolz auf Domenico Modugno, dass man jedem auch nur im Entferntesten mit Tourismus zu tun Habenden eingebimst hat, dieses gegenüber Besuchern bei jeder Gelegenheit zu erwähnen. Und ich bestätige hiermit gerne: Man hat auch nicht davor zurückgeschreckt, ihm mit der finanziellen Unterstützung eines örtlichen Finanzunternehmens ein Denkmal zu errichten. Überlebensgroß. Mit wehendem Jackett.

Wenn man wie ich in einer Stadt aufwuchs, die bei vielen nur die Assoziation „Ist das nicht da, wo Sasha herkommt?“ hervorruft, rechnet man ab jetzt mit dem Schlimmsten.

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Happy Bärchenwurst

Es gibt ja Momente im Leben, da fragt man sich, ob das wirklich alles so eine gute Idee war. Das mit diesem Journalismus, in dem man sich zwischen halb zwei und viertel vor fünf von nachtaktiven und alkoholbeeinflussten Grottentrollen in einer Art beschimpfen lassen muss, die eben so gerade noch nicht justiziabel ist. Das mit dem Wohnen in einer Stadt, in der die Tendenz zur Sperrmüllentsorgung im Hausflur ungut korreliert mit dem Bedürfnis gefrusteter Zeitungsausträger, ihren Hang zur Pyromanie während der Arbeitszeit auszuleben. Oder diese verrückte Selbststädigkeit, bei der nur eins sicher ist, und dass ist eine Rente ab dem 97. Lebensjahr im Gegenwert einer Packung Rosendünger.

Und dann schaltet man mal eben Schwiegertochter gesucht ein und weiß, wie gut man es selber hat:

Screenshot: rtl-now.de

Danke, Vera. Die reinigende Kraft von Bärchenwurst an Aldi-Gouda ist dann doch nicht zu unterschätzen.

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Eine Insel im Wolfspelz

Schon wieder war ich ein paar Tage abgelenkt, habe Kommentare und Leser vernachlässigt und statt dessen etwas gemacht, das sich Kurzurlaub nennt. Und gut ist, weil Urlaub, und schlecht, weil so kurz.

Genauer gesagt war ich ein paar Tage auf Rügen, das sich dadurch auszeichnet, sich selbst gerne mit Anführungszeichen „Insel Rügen“ zu nennen. Keine Scheu hat, in seinen Speisekarten etwas namens Gordon Bleu anzupreisen und auf seiner größten Sehenswürdigkeit, dem Kreidefelsen, eine Art Freizeitpark inklusive Hundebar hinzubauen. Und deren Bewohner an jeder Ecke kleine, Hühnergötter genannte Steine zum Verkauf auslegen, die man bitte über eine Kasse des Vertrauens bezahlen soll. Was so aussieht:

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Noch spannender als alle diese lustigen Umstände fand ich aber die Tatsache, dass sämtliche Menschen, die in dieser offensichtlichen Vor-Vor-Vorsaison die Insel besuchten, sich ausschließlich und sehr detailreich bei der Firma Jack Wolfskin eingekleidet hatten. Und zwar nicht in der Art und Weise, wie man es von praktisch orientierten Prenzlauer Berger Großstadtdschungel-Bewohnern kennt, sondern eher, nun ja, in der Wolfskin-Unterabteilung für Clownsbedarf. Oder warum sollte man Zirkuszelt-große Jacken in absurden Pastell-Neon-Kombinationen tragen, wenn man ernsthaften Outdoor-Aktivitäten nachgehen will? Damit die echten Wölfe schon von Weitem erkennen, dass man erstens da ist und zweitens vermutlich nicht sonderlich schnell flüchten kann? Wohl eher nicht.

Aus Gründen, die sich mir nicht ganz erschlossen haben, haben alle anderen Mitbewerber dieses Kleidungssegments sich von der Insel komplett zurückgezogen. Man sieht, ganz im Gegensatz zu den Wolkskin-Produkten, weder Angebote in Läden noch Getragenes, was auch beides miteinander zusammenhängen könnte. Was wiederum alles mit einer Tatze Versehenes zu einer Art Pareo für Rügen-Besucher machte. Was mir auch alles egal sein könnte, wenn man nicht irgendwann erstens Augenstechen darob der Farbkombinationen bekäme, die sich mit den blasslila Haaren und sonst in Rentner-beige daherkommenden Outfits beißen. Und zweitens sich wundert und ein Outdoor-Kartell vermutet.

Wie dem auch sei: Wer keine Angst vor Windstärke 12 und Essen in der Geschmacksrichtung viel und fettig hat, sollte mal nach Rügen reisen. Ist schön da. Es gilt aber Dresscode.

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Kava s mlijekom. Das war Kroatisch

Man hat mir beigebracht, dass ich für jeden Text eine These brauche. Die für den heutigen lautet: Kroatien ist das Mallorca der Menschen ohne Sky-Abo. Was ich belegen möchte mit den Ergebnissen einer Umfrage, die vielleicht nicht repräsentativ ist, dafür aber in einem erwählten Kreis durchgeführt wurde, den ich mein soziales Umfeld nenne – eine gängige journalistische Praxis, auf der so ziemlich jeder Artikel beruht, der mit „Immer mehr“ beginnt.

Alles begann damit, dass ich selbst ganz gerne Urlaub machen wollte. Auf der Suche nach einem adäquaten Urlaubsziel, das nicht gleich eine interkontinetale Aussteigerreise erforderte, für die ich bei mir selbst ein Sabbatical beantragen müsste, befragte ich Menschen, die mir über den Weg liefen. Deren Antwort lautete unabhängig davon, ob ich mich nach den eigenen Reisezielen oder Vorschlägen nach Urlaubsoptionen in Europa erkundigte, stets gleich: Kroatien.

Die eine Freundin reist mit Freund zu einer zehntägigen Segeltour dahin. Die andere mietet ein Ferienhaus. Der nächste kennt Menschen, die dort ein Ferienhaus besitzen, und beim Vierten sind die Besitzer des Ferienhauses die Eltern der Freundin. Die Schwester reist mit dem eigenen Bulli nach Kroatien, obwohl dieser maximal 90 km/h, dafür aber 140 Dezibel schafft, weil Freunde erzählt haben, dass es da so schön sein soll. Und die Frau, die beim Friseur neben mir saß, schätzt schon seit Jahren die kroatischen Getränkepreise.

Anzahl der Befragten die in diesem Jahr nach Kroatien fahren: 13

Anzahl der Befragten, die Kroatien empfehlen: Alle (gefühlt 3434)

Anzahl der Frager, die sich daraufhin entschlossen, einen Flug nach Portugal zu buchen: 1

Man soll mich nicht falsch verstehen – ich habe nichts gegen Kroatien. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es dort ganz schön ist: Meer, Strand, noch ein bisschen ostig, gutes Wetter, eine unverständliche Sprache – das kann sicher nett sein für ein paar Wochen im Sommer. Und was kann man schon haben gegen ein Land, das seine Inseln Krk, Pag und Rab nennt?

Aber möchte ich wirklich dort Urlaub machen, wo offensichtlich der halbe Prenzlauer Berg abhängt, früh morgens seine Liegen mit Lätzchen markiert und abends Krawall macht, weil es nicht genug Stellplätze für Laufräder gibt? Ich glaube nicht. Was nicht heißen soll, dass ich meine Freunde nicht gerne auch im Urlaub anträfe. Aber dazu noch deren Freunde und wieder deren Freunde und von denen die Bekannten – da könnte ich mir die weite Reise doch sparen, am Helmholtzplatz ein Planschbecken aufstellen, die Füße reinhängen und ein Banana-Split essen. Womit dieser Text endet, wie es sich gehört: Mit einem lauen Witzchen.

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X 7 antwortet nicht

Entschuldigen Sie, aber spricht hier zufällig jemand Russisch? Seit ein paar Tagen haben nämlich ein paar diese Sprache beherrschende Menschen mein Blog entdeckt und scheinen seitdem eine angeregte Diskussion in der Kommentarecke eines der Posts zu führen.

Grundsätzlich freue ich mich natürlich, wenn Menschen hier etwas zu sagen haben, aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass man sich dort gerade zum Drogenkonsum in Novosibirsker Parks verabredet oder eine Schieberbande ihre nächste Tour durch die Karpaten plant. Aber vielleicht kann mir ja jemand helfen, was das hier zu bedeuten hat:

Oder das hier:

Oder das:

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Als Blogbesitzer bin ich es ja gewohnt, dass mir absurde Menschen sinnlose Texte in die Kommentare posten, alleine, um die Adresse ihrer eigenen Websites hinterlassen zu können. Auf der man kostengünstig Viagra erstehen oder Damen aus Staaten, deren Namen seit Zusammenbruch des Kommunismus täglich wechseln, bestellen kann. Da diese in den meisten Fällen zumindest des Deutschen mächtig sind, weiß ich da aber immerhin, was ich regelmäßig in den Papierkorb verschiebe.

Ein besonders absurder Fall des Guerilla-Marketings sollte in diesem Zusammenhand auch noch Erwähnung finden, denn es kam aus einer Ecke, in der ich bislang nicht einmal einen funktionierenden Internetanschluss vermutete: Süddeutschland. In Offenbach residiert da der Suppenkaschperl Rhein-Main, der es nicht nur geschafft hat, mein Vegetarier-Blog in den Weiten des Internets zu finden, sondern dort auch Spuren zu hinterlassen, die sich wie folgt lasen:

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Fantastische Beiträge zu meinem Post über das Insassen-Theater der JVA Tegel, das kann man anders nicht sagen. Zumal, wenn man diesem Link folgt und sich ansieht, wie die Gerichte aussehen.

Die Enthüllungsgeschichte, warum die JVA-Kantine ihr Essen eigentlich aus Offenbach bezieht, und ob für diese Verbandelung das Amtsgericht Tiergarten Pate stand, dass seine Akten mit dem Menütaxi durch die Stadt chauffieren lässt, lesen Sie dann demnächst an anderer Stelle. Falls ich nicht derweil von Inkasso Moskau heimgesucht wurde, weil deren Schuldiger sich auf meiner Seite zum Gegenschlag zu organisieren versuchten.

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Nachtrag vom 22. Juli

Und hier die folgerichtige Reaktion nach Thematisierung des russischen Spamer-Angriffs seit gestern:

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Kann es sich ja nur noch um Tage handeln, bis man mit meiner Identität Großeinkäufe bei WMF tätigt.

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10 Themen, die ich gerne anderen überlasse

  1. Tintenfisch Paul aus Westdeutschland und seine Prognosen zum Ausgang von Weltmeisterschaftsspielen
  2. Der Migrationshintergrund deutscher Nationalspieler
  3. Die entscheidende Frage, ob Jogi Löw heute Abend mit Hemd und Schal oder doch wieder im blauen Longsleeve aufläuft
  4. Die Stimmung auf Mallorca
  5. Eine Analyse der letzten Fußballspiele Deutschland gegen Spanien zurückgehend bis in die Jungsteinzeit
  6. Die Frage, ob es dem Herrn Müller-Wohlfahrt gelingen wird, Thomas Müller bis heute Abend so umzuoperieren, dass er als Toni Kroos verkleidet doch mitspielen kann
  7. Michael Ballack und das Rätsel, ob sein Wunderdeo auch in dem Moment gewirkt hat, als Philipp Lahm Anspruch auf eine Festanstellung als Mannschaftskapitän erhob
  8. Was eigentlich Xavier Naidoo gerade macht
  9. Ob es stimmt, dass die Nationalspieler kurz vorm Anpfiff trockenen Kuchen essen, ob sie wenigstens Nutella drauf schmieren dürfen, und falls nicht, ob Poldi sehr geweint hat
  10. Die Aufstellung für heute Abend und die Beantwortung der Frage, ob Günter Netzer eigentlich ein Trikot unterm Sakko trägt. Nur für den Notfall
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Meine Fernsehstube heißt Döneria

Seit Tagen beschäftige ich mich mit der Frage, womit man eigentlich einen Döner füllen muss, damit er nur zwei Euro kostet und dennoch genug Gewinn für den Erwerb eines überdimensionalen Flachbildfernsehers abwirft? Ich fürchte, es hat etwas mit Holzwolle zu tun und rate daher ab vom Verzehr von Fastfoodgerichten bei Imbissen mit angeschlossenem Technikimperium, was zurzeit einem kompletten Verzicht auf solche Speisen entsprechen dürfte.

In welche Bredouille einen der unbedingte Wunsch nach einem Plasma-TV bringen kann, wissen wir spätestens, seitdem Peter Zwegat die Familie Ülüglü besuchte. Dort wurden so lange Plastiktüten mit ungeöffneten Rechnungen unter dem Sofa gelagert, bis eines Tages der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand. Und alles mitnehmen durfte, nur eben nicht den Fernseher, der rechtzeitig unterm Bett versteckt worden war, wobei sich sein flaches Erscheinungsbild durchaus als Vorteil erwies. Dass er da nicht lange blieb, muss wohl kaum noch erwähnt werden; wenn man sich schon das Sky-Abo von seinem Hartz4 abspart, dann will man auch was davon haben.

Ich selbst bin ja schon froh, dass ich seit einigen Wochen das Fernsehprogramm nicht mehr mit dem Opernglas verfolgen muss, sondern mein mikroskopisch kleines Einsteigermodell gegen ein größeres, jedoch immer noch Röhrenmodell einttauschte. Ein ungeheurer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass meine Eltern seit Jahren mit einem Vorkriegsmodell der Firma Grundig Metz Vorlieb nehmen, auf dem das Bild nicht nur verschneit, sondern auch farblich völlig übersteuert daherkommt und der auf Finnisch mit ihnen kommuniziert, womit ich meine eigene Übertreibung das Alter des Geräts betreffend dummer Weise gleich wieder enttarnt habe.

Doch was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja, es ging um die Möglichkeiten des Public Viewings an jeder Pommesbude. Während andere für das Fernsehen in Gesellschaft lieber hippe Biergärten oder ganze Fanmeilen aufsuchen, bin ich großer Fan dieser Alternative im trauten Kreis von seit morgens stark alkoholisierten Stammgästen, Kindern und Menschen, die wie ich nicht fünf Stunden vor Anpfiff bereits ein Handtuch in einer der Trendbars platzieren mochten. Eine Spießigkeit, die durchaus praktiziert wird im Prenzlauer Berg, wenn man nicht gleich Stühle mit Namensschildern versieht oder kleine Asiaten dafür bezahlt, bis kurz vor Anpfiff einen Sitz zu besetzten.

Vor dem Imbiss dagegen findet sich auch kurz vor knapp immer noch ein Platz, und die Freude an den abenteuerlichen Konstruktionen, mit denen man die Technik für alle gut zu sehen auf Brettern auf Kisten auf Tischen installiert hat, wird gleich mitgeliefert. Außerdem sind das Bier billig und die Anwesenden sehr expertenhaft (siehe Alkoholiker und Kinder). Nur essen sollte man da eben nichts.

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München, wir haben ein Problem

Man kann ja viel über Bayern im Allgemeinen und München im Speziellen sagen, aber eins muss man beiden lassen: Ihre Abwehrkräfte funktionieren hervorragend. Zumindest, wenn man den Dauerregen als Versuch des Immunsystems interpretiert, mich als Berliner Fremdkörper schnellstmöglich wegzuspülen.

Das war also München: Eisige Temperaturen, Regen und Menschen in Deutschlandtrikots, die nach der Schmach gegen Belgrad mit erhobenem rechten Arm „Scheiß Jugoslawen“ intonierten. Dabei nicht reflektierend, dass sie das auf Guantanamera taten und dazu von Vuvuzelas begleitet wurden.

Doch es war nicht alles schlecht, man kann ja aus jeder Erfahrung lernen. Womit wir zu meinen Top Fünf der Dinge kommen, die ich in Süddeutschland erfuhr:

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Wer gerne ein Pferd hätte, es aber zwischen Couchtisch und Schrankwand nicht unterzubringen weiß, kann es einfach unter Tage halten.

In einem Schacht. Wo es sich bei der Gelegenheit auch gleich nützlichen machen und beim Kohleabbau helfen kann. Zumindest behauptet das das mit einem anschaulichen Fake-Bergwerk unterkellerte Deutsche Museum. Was angesichts der Münchner Wohnungsnot doch eigentlich längst findige Vermieter auf den Plan hätte rufen müssen. „Leben, wo der Erdkern pulsiert“ könnte der dazugehörige Slogan lauten.

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Schäbige Abstell-Vorrichtungen für benutztes Geschirr sehen viel bürgerlicher aus, wenn man sie bepflanzt.

Im Idealfall, leider hier nicht im Bild, nutzt man dazu Geranien, Vergissmeinicht oder immergrüne, winterharte Bodendecker.

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Die wahre moderne Kunst findet man nicht etwa in der Pinakothek, sondern als Wandschmuck von Hotelzimmern im Bahnhofsviertel.

„Das exzessive Thema des Bildes korrespondiert hervorragend mit den dadaistischen Elementen in der Beindarstellung durch den Künstler, der seine wahre Größe vergeblich hinter einem naiven Pinselstrich zu verstecken weiß“, heißt es dazu im Ausstellungskatalog. Wenn es die im Nebenzimmer eincheckenden Trucker oder die ab sieben Uhr tätige Putzfrau nicht schaffen, einem den Schlaf zu rauben – diesem Bild gelingt es garantiert.

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In München kann man ausschließlich BWL und Jura studieren.

Zumindest erweckte der Kleidungsstil der Menschen, die sich in der Uni aufhielten und daher von mir vorschnell als Studenten eingeordnet wurden, diesen Eindruck. Was nicht ausschließt, dass ich just in dem Augenblick den übrigens seit Sophie Scholls Zeiten nicht mehr erneuerten Hörsaal besichtigte, als eine Gruppe Investmentbanker sich über die Möglichkeiten eines Zweitstudiums informierte. Hoffentlich diesmal im sozialen Bereich.

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Und (Top Fact): In München gibt es kleine Geschäfte.

Schließlich müssen die Bayern ihre Trachten und ihren FC Bayern-Fanbedarf ja auch irgendwo kaufen. Was es nicht gibt, sind Spätkaufs. Das könnte aber daran liegen, dass man im Bayern schon vor Mittag mit dem Trinken anfängt und demnach nach Geschäftsschluss gar keinen Nachschub mehr braucht (siehe -> Komasaufen).

Womit es Zeit für ein Fazit ist: In Sachen Unterhaltung durch Absurdität bietet München zwar einiges, bleibt aber hinter China leider weit zurück. Auch der Versuch, daduch meine Heimatgefühle zu wecken, dass man Menschen mit Teleskopgreifern in Müllcontainern nach Pfandflaschen suchen ließ, war vergeblich. Und der Kaffee in Puppenstubentässchen zu Riesenpreisen gab mir den Rest. Natürlich gibt es einige schöne Ecken. Aber um die genießen zu können, sollte man das nächste Mal wirklich im Sommer hinfahren.

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Neue Konzepte der Zwischennutzung

Erinnert sich noch jemand an sein letztes Schulfest? Vermutlich gab es einen überengagierten Englischlehrer, der mit seiner fünften Klasse Englischanfänger den Sommernachtstraum aufführte, lustige Experimente mit Cola und Mentos im Chemieraum, einen wie immer viel zu großen Kuchenbasar der SV und ab sechs Uhr begannen die Vertrauenslehrer an den Getränkeflaschen der unter 16-Jährigen zu riechen.

So oder so ähnlich war es, und so war es gut. Denn immerhin fand das Ganze in der Schule statt. Was nicht immer so sein muss, wie mir heute eine verwandte Lehrerin berichtete. Deren Schule sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hat, eine neue Ära der Schulfeste einzuleiten.

Zum einen soll das gelingen dadurch, dass man die Feier vom Schulhof auf einen zentralen Platz in der Innenstadt verlegt. Was den Vorteil hat, dass auch Laufkundschaft in den Genuss von Aldi-Kaffee aus überdimensionalen Isolierkannen sowie des Auftritts der Schach-AG kommt. Die auf einer Bühne pantomisch das legendäre Duell zwischen Garry Kasparov und Deep Blue wieder aufleben lässt, nehme ich an.

Zum anderen hat man sich prominente Unterstützung gesucht, die für die nötige Extravaganz und Aufmerksamkeit sorgen soll. Und die in der sonst ungewöhnlichen Form eines Panzerbataillons daherkommt. Das nicht, das möchte ich an dieser Stelle gleich dementieren, ein Reenactment der Ardennenoffensive plant. Sondern lediglich ein Accessoire zur Verfügung stellt, das die Veranstaltung auch bei schlechtem Wetter auf dem Trockenen sitzen lassen soll.

Womit ein schamlos langer Teaser geschrieben wäre für diese kurze, aber lustige Information: Man plant das schulferne Schulfestgelände mit einem riesigen Fallschirm zu überspannen. Was ich mir beim besten Willen nicht bildlich vorstellen kann, denn wo und wie will man diesen Traum in Ballonseide bitte befestigen? Und vor Sturmböen bewahren? Vor Neidern? Und vor allem davor, dass der junge Dieter Bohlen aus den 80ern anreist und sich daraus einen Trainingsanzug schneidern lässt?

Ich habe keine Ahnung. Baue aber auf eine baldige Aufklärung der Ungereimtheiten durch die Pazifismus AG.