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Show, don’t tell

Frank Plasberg hat ein Herz für Frauen. Zumindest, wenn das gerade als Thema seiner Sendung so gefragt ist. „Quoten, Krippen oder Ellbogen – was brauchen Frauen zum Erfolg?“ lautete dieses gestern; vier Frauen und zwei Männer ließ Herr Plasberg dazu eifrig miteinander diskutieren. Schließlich war Weltmännertag und damit ein schöner Anlass, sich zu fragen, warum Frauen eigentlich doch gar nicht so doof, aber in Führungspositionen immer noch völlig unterrepräsentiert sind.

„Hart aber fair“ ist eine Polit-Talkshow, also waren die ausgetauschten Argumente die altbekannten. Die hier wirklich keiner Wiederholung bedürfen, da sie sich jeder aus dem Ärmel schütteln kann, der nur zwei Minuten nachdenkt. Und weiß, dass bislang nur Frauen die Fähigkeit gegeben ist, Kinder zu gebären.

Interessant wird es aber, wenn man sich anschaut, wie sehr die Frauen-freundliche Redaktion von „Hart aber fair“ sich selbst für die Gleichberechtigung engagiert, wenn diese einmal nicht explizit das Thema ist. Etwa bei der Auswahl der Gäste der vergangenen zehn Sendungen – natürlich exklusive der aktuellsten, die würde die Stichprobe verfälschen:


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Ganz recht, die Dichte an Bärten, schütterem Haar und buschigen Augenbrauen weist darauf hin, dass Frauen nicht nur in den Chefetagen, sondern auch an der Talkshowtheke von „Hart aber fair“  eher selten Platz nehmen. Was eine euphemistische Beschreibung des Männeranteils von 80 Prozent ist, den wir hier vorliegen haben. Und der vielleicht noch nachvollziebar wäre, wenn die Themen der entsprechenden Folgen Wehrpflicht, World of Warcraft oder Viagra geheißen hätten. Diskutiert wurden aber zum Beispiel Integration, Hartz IV, die deutsche Einheit und die Energieversorgung der Zukunft – warum genau sollten Frauen dazu nichts zu sagen haben?

Oder, um die Worte der Redaktion zu nutzen: „Frauen erobern immer mehr Berufe, sind topp in Bildung und Leistung – aber an der Spitze der Job- und Gehaltspyramide bleiben die Männer unter sich. Hilft da nur noch eine Frauenquote gegen die Männerblockade? Oder müssen die Frauen härter werden: mit mehr Ellbogen und kürzerer Babypause?“

Vielleicht könnte es auch einfach helfen, wenn man Frauen im Fernsehen die Chance gäbe, sich und ihre Fähigkeiten in gleichem Maße und Menge zu produzieren, wie es den oben gezeigten Männern gestattet wird. Ich kann mich irren, aber wenn wir es als Zeichen gelungener Integration ansehen, wenn Menschen mit Migrationshintergrund die Tagesschau verlesen oder im Tatort ermitteln, warum sollte man dann nicht auch an der Besetzung von Talkshows die Gleichberechtigung ablesen können?

Zu des Diskutierenden des gestrigen Abends gehörte auch die unter anderem für Frauen zuständige Ministerin Kristina Schröder. Sie sprach sich gegen eine Frauenquote aus – die demographische Entwicklung werde zwangsläufig genug Frauen an die Oberfläche spülen, lautete ihr Argument.
Nach der Sendung vermeldete sie dann über Twitter Folgendes:

Menschen, die diesen Tweet gutheißen, mögen auch „Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch“ und „Alles wird gut.“ Nina Ruge kann uns schließlich nicht all die Jahre belogen haben.

Womit ich sagen will: „Hart aber fair“ soll nicht über Gleichberechtigung reden, sondern gleichberechtig einladen. Und unsere Bundesfrauenrechtlerin soll aufhören, so zu tun, als sei sie ein kleines Mädchen, das man besser nicht alleine mit fremden Männern sprechen lässt. Oder solchen, die sie nur aus diversen Talkshows kennt.

23 Kommentare

  1. Mit Verlaub, aber das ist ziemlich dämlich. Hart aber fair lädt Führungskräfte ein. Die sind mehrheitlich männlich. Dazwischen steht kein „weil“: Satz 3 ist das Problem, Satz 2 ein Symptom.
    Oder soll man lieber Sarrazins Frau als ihn selbst einladen, um einer Quote gerecht zu werden?

  2. Wenn wie gesagt Männer in Führungspositionen immer noch stärker vertreten sind, spiegelt dies das Einladeverhältnis einfach nur wieder. In einigen Fällen mag es zwar auch Frauen gegeben haben, die statt der männlichen Kandidaten eingeladen hätten werden können. Aber Gleichberechtigung erreicht man gewiss nicht, indem man immer nur Frauen bevorzugt.

  3. Warum sind die (Quoten?)Frauen in den obigen Bilderreihen eigentlich vorwiegend zentral in der Bildmitte platziert?

  4. „“Hart aber fair” soll nicht über Gleichberechtigung reden, sondern gleichberechtig einladen.“ – Klasse!

    Ich sehe mir solche Sendungen schon lange nicht mehr an, und wenn ausgerechnet Bambi Schröder zum Thema Frauenquoten etc. eingeladen wird, ist eh klar, dass es der Redaktion mehr um Klamauk zu tun ist als um eine produktive Diskussion.

  5. Gezeigt wird aber doch auch erst einmal nur, wer an den Runden teilgenommen hat. Wer eingeladen wurde, wird in dem Artikel überhaupt nicht ausgeführt.
    Nur mal angenommen, es wurden durchaus genug Frauen eingeladen, aber die lehnten ab, weil sie keine Lust haben in einer oft polemischen Labersendung mitzumachen… Es sind doch sowieso immer die gleichen Köpfe, die in den diversen Talkrunden beieinander sitzen.
    Wenn man jetzt aber unbedingt alles nur in Zahlen pressen will, so kann man nachzählen, dass der Mann Plasberg den Frauen Will, Maischberger und Illner entgegensteht. Vielleicht habe ich jetzt bei der Aufzählung auch irgendwelche „wichtigen“ Männer oder Frauen vergessen, aber ehrlich gesagt langweilt mich das ganze Talkshow-Gewese nur noch.

  6. Mir kommt bei der Durchsicht der Verdacht, dass nicht nur die Frauen, sondern auch die Themenexperten unterrepräsentiert sind. Das ist wohl die Auswahl, die man für eine Sprechblasensendung mit lustigen Einspielern braucht und bekommt. Richtige Expertinnen und Experten, die ihre Fakten vorher und nicht am Morgen danach checken, müssen vielleicht nicht so dringend beim Egopolieren dabei sein.

  7. „Ganz recht, die Dichte an Bärten, schütterem Haar und buschigen Augenbrauen weist darauf hin, dass Frauen nicht nur in den Chefetagen, sondern auch an der Talkshowtheke von “Hart aber fair” eher selten Platz nehmen.“

    Als was die Bärte angeht: Richtige Bärte sieht man in der aalglatten Medienwelt leider eher selten. In der Stichprobe waren es gerade mal zwei, hinzu kommen fünf Schnauzer. Also keine besonders hohe Bartdichte.

  8. Jedwede Quotenregelung führt zu einer Verringerung des Wettbewerbs und dadurch zu einem Verlust an Qualität.

    Und da ist es jetzt egal welches Kriterium angelegt wird. Ob nun ‚Frau, Migrant, Moslem usw.‘ Die Liste kann beliebig fortgeführt werden.

    Wer am besten geeignet ist sollte den Job, die Einladung zur Talkshow, usw. erhalten.

    Das wäre die wahre Gleichberechtigung.

  9. Entscheidend für die Auswahl der Gäste sollte immer sein, wer etwas zum Thema zu sagen hat. Wenn das in der Mehrheit Männer sind, dann ist das so – das schließt ja nicht aus, in der Sendung dann zu thematisieren, warum in den genannten Positionen Männer sitzen.

    Aber Talkswhos funktionieren leider eh nach anderen Regeln. Etwa, dass immer ein Krawallmacher von der einen Seite und einer von der anderen da sein muss – damit bloß nicht die Leute in der Mitte zu Wort kommen, die pointiert über Kompromisslösungen reden könnten.
    Übrigens: Wenn in einer deutschen Zeitung Artikel über echte und vermeintliche Benachteiligungen von Frauen in Deutschland geschrieben werden, dann sind die Autoren in 99 Prozent der Fälle Frauen. Warum ist das so?
    Ich gebe zu, die Zahl ist gefühlt – aber da könnte man ja auch mal nachzählen

  10. Warum die Quote der Frauen so niedrig ist, merkt man schon deutlich an dem Tenor einiger Kommentare hier. Frauen sind entweder dumm (Bambi) oder schreiben keine Bücher, haben keine Ahnung, weil sie nicht in Führungspositionen stehen usw. usf.

    Der Artikel beschreibt genau die Ist-Situation und ist entlarvend.

  11. Ich bin ein Mann und ich bin trotzdem in keiner Führungsposition. Woran liegt das? Zum einen daran, dass ich gerne Zeit mit denen verbringe, die ich liebe, meine Familie, Freunde. Viel lieber als im Büro zu sitzen oder mich mit politischen Gegnern verbal zu balgen und mich über deren sachlich falsche Argumente und die Verfälschung meiner eigenen Argumente durch meine Gegner sowie durch die Medien zu ärgern. Ich bin politisch interessiert und halte mich auch für einigermaßen intelligent, aber von all der Schlechtigkeit, die einem in Führungspositionen entgegenschlägt, würde ich in wohl in kurzer Zeit Magengeschwüre kriegen und der Nervenzusammenbruch wäre nicht weit.

    Man könnte auch sagen, dass ich empathie-geleitet bin, während es in Führungspositionen eher auf emotionale Abgehärtetheit ankommt.

    Ich nehme an, dass hierin die Unterrepräsentiertheit der Frauen begründet liegt.

    Wer stark empathie-geleitet ist, der strebt Führungspositionen eventuell gar nicht erst an. Und Männer sind evolutionär in stärkerem Maße darauf programmiert, Stärke zu zeigen als Empathie.

    80% der Bevölkerung sind intellektuell gar nicht für Führungspositionen geeignet. Egal ob Mann oder Frau. Von den restlichen 20% sind bei den Männern 5% zu empathisch für Führungspositionen (Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Illustration), während es bei Frauen 15% sind. Und schon haben wir eine mehrfache Überrepräsentiertheit der Männer.

    Die Empathie der Frauen ist eine Tugend. Wenn wir Gleichrepräsentiertheit in Führungspositionen anstreben, sollten wir tunlichst nicht dafür sorgen, dass Frauen weniger empathisch sind. Stattdessen wäre der richtige Ansatz, den „Willen zur Macht“ der Männer zurückzudrängen.

    Der Auswahlmodus ist das Problem. Unser aktueller Auswahlmodus bevorzugt „harte Hunde“. Der Auswahlmodus müsste so modifiziert werden, dass Charaktereigenschaft wie „Härte“, „Trotz“, „Machtwille“ karrieretechnisch _bestraft_ werden, anstatt _Voraussetzung_ zu sein für das Vorankommen auf der Karriereleiter.

  12. Sollte man nun also die Teilnehmer nach Geschlecht einladen, so wie es hier indirekt vorgeschlagen wird? Mir kommt es zumindest so vor. Das ist doch im Prinzip komplett gegen die Gleichberechtigung.

    Wahre Gleichberechtigung heißt, dass Leute auf Grund von passenden Gründen oder Qualifikationen eingeladen werden und nicht, weil man noch eine Frau (oder einen Farbigen bspw) haben sollte, damit es „passt“. Quotenregelungen sind zutiefst sexistisch und rassistisch, das sehen mittlerweile selbst die meisten Feministinnen ein, da es nicht in ihrem Sinne sein kann, nur auf Grund des Geschlechts bevorzugt zu werden. Es ist kontraproduktiv, da so suggeriert wird Frauen könnten es eben nur durch diese Quoten schaffen.

    Darüberhinaus ist die politische Talkshow in Deutschland vor allem für Querköpfe und Provokateure bekannt. Und da gibt es leider deutlich mehr Männer als Frauen. Richtige Experten sind die absolute Ausnahme, egal ob Frau oder Mann.

    „Hart aber fair” soll nicht über Gleichberechtigung reden, sondern gleichberechtig einladen“ Dem kann ich vollkommen und vorbehaltlos zustimmen, aber siehe oben, nach wirklicher Gleichberechtigung und nicht nachdem, was uns gestrige Feministinnen als Gleichheit verkaufen wollen.

  13. Pingback: Genderblog » Hart aber unfair

  14. Zwei Anmerkungen:

    World of Warcraft als „Männerthema“ zu deklarieren, halte ich für gewagt – da dürften die vielen Spielerinnen, die es nämlich sehr wohl auch gibt, ein dickes „Veto“ dagegen einzulegen haben. Sicherlich überwiegen die männlichen Spieler, aber der Frauenanteil ist auf keinen Fall so gering, daß man ihn vollkommen unter den Tisch fallen lassen dürfte.

    Zum zweiten: Sich darüber zu erregen, daß Frau Ministerin Schröder auf (Achtung!) TWITTER Belangloses zum Besten gibt, ist in etwa so sinnig, als würde man jemanden dafür tadeln, daß er einen Teller benutzt, um sein Essen darauf zu legen. 😉 Für das Medium trifft der zitierte Tweet doch perfekt den Ton – der Dienst heißt nicht umsonst „Gezwitscher“. Wenn ich seriöse Aussagen der Ministerin zu ihrer Arbeit lesen möchte, halte ich mich an Pressemitteilungen oder dergleichen.

  15. Interessant wäre auch eine Benennung der Frauen, die deiner Meinung nach jeweils zum Thema gepasst hätten.

  16. Pingback: Mehr Frauen an Polit-Talk-Tresen! | Rot steht uns gut

  17. Vielleicht sollten die einmal den Autor Peter Redvoort einladen, der schreibt darüber, wie Männer von der Gleichberechtigung profitieren könnten …

    Helene

  18. Ich warte immer noch auf den Tag, an dem eine Frau sich nicht in die dämliche Quoten-Forderung einhängt, sondern mal bspw. Missstände wie die verweiblichte Erziehung in Schulen anprangert. Wenn Jungs sich den Unterrichtsmethoden für Frauen unterziehen müssen (ach ja, im Kindergarten wäre eine Männerquote übrigens dringend notwendig) und als Dank auch noch ein Jahr in den Wehrdienst gezwungen werden, während Frauen Karriere machen können (könnten, wenn sie denn wollten)…

    Es gibt da dieses nette Wort „Positive Diskriminierung“. Ich denke, das triffts ziemlich gut, und ziemlich oft.

    Möge uns die Welt vor weiteren Texten wie in diesem Blogeintrag erspart bleiben.

  19. @Theodemus

    Schwachsinnigen Aussagen einer Person werden nicht durch das verwendete Medium weniger schwachsinnig. Man ist nicht verpflichtet nur Blödsinn zu twittern. Und im übrigen sind die „offiziellen“ Verlautbarungen von Frau Schröder im wesentlichen nicht besser.

  20. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Don’t look back in Schröder: Die Blogschau, diesmal mit Familienministerinspezial

  21. Es ist sicher wahr, dass in der Sendung nur die Realität wiedergespiegelt wir aber Medien schaffen auch Realität. Was gezeigt wird wird auch zT wahr. Dh eine Quote oder ein freiwilliger Versuch mehr Frauen einzuladen hätte den Effekt das der Zuschauer das für Normalität hält und Vorurteile abbaut, die er vielleicht noch hat.

  22. Der Blog ist klasse, aber bei mir sind die Ladezeiten ganz schön lang. Ich glaube nicht, dass das an meiner Leitung liegt, andere Web sites sind sehr schnell. Haben andere Leser auch bereits diese Erfahrung gemacht?.

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