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Werbepause

Der Prenzlauer Berg ist ein schrecklicher Ort. Das weiß jeder, der mal versuchte, hier einen Filterkaffee zu bekommen. Man spricht Westdeutsch, arbeitet Was mit Medien und zahlt Mieten wie in München. Dabei hat kein Haus mehr Charme, aber alle einen Außenaufzug. Überall hängen Kinder rum, die zu ihren skandinavischen Doppelnamen mikroskopisch kleine Barbour-Jacken tragen und von ihren Eltern nicht am Blockieren von Feuerwehrzufahrten mit Holzlaufrädern gehindert werden, weil diese viel zu beschäftigt damit sind, im Manufactum-Katalog zu blättern.

Dies ist kein Stadtteil, das ist Disneyland.

Lokalzeitungen sind schrecklich. Geschrieben werden sie von Menschen, die sich gerne „Der Berichterstatter“ nennen und sich als solche in die Artikel einbauen. Für das leibliche Wohl ist immer gesorgt, für eine richtige Satzstellung eher selten. Gewinner des Schweinepreisschießens werden täglich mit Bild präsentiert, Schneehügel ab zwei Meter erhalten Sonderseiten. Und über die letzte Jahreshauptversammlung des Männergesangsvereins erfährt man bis zum Tagesordnungspunkt 27 (Verschiedenes) jedes Detail. Nur warum der Bürgermeister als Dienstwagen ausgerechnet einen Jaguar anschaffen ließ, das fragt man den lieben Kegelbruder dann noch nicht so genau.

Wenn der Prenzlauer Berg eine Lokalzeitung bekommt, implodiert die Welt. Oder es entsteht etwas, was vielleicht doch ganz lesenswert ist – weil es hyperlokal und im Internet und netzwerkfreundlich und mit engagierten Autoren ist: Die Prenzlauer Berg Nachrichten.

Dass auch ich dafür schreibe, ist für diesen Blogpost selbstverständlich völlig unerheblich.