Artikel

Eine Insel im Wolfspelz

Schon wieder war ich ein paar Tage abgelenkt, habe Kommentare und Leser vernachlässigt und statt dessen etwas gemacht, das sich Kurzurlaub nennt. Und gut ist, weil Urlaub, und schlecht, weil so kurz.

Genauer gesagt war ich ein paar Tage auf Rügen, das sich dadurch auszeichnet, sich selbst gerne mit Anführungszeichen „Insel Rügen“ zu nennen. Keine Scheu hat, in seinen Speisekarten etwas namens Gordon Bleu anzupreisen und auf seiner größten Sehenswürdigkeit, dem Kreidefelsen, eine Art Freizeitpark inklusive Hundebar hinzubauen. Und deren Bewohner an jeder Ecke kleine, Hühnergötter genannte Steine zum Verkauf auslegen, die man bitte über eine Kasse des Vertrauens bezahlen soll. Was so aussieht:

.

Noch spannender als alle diese lustigen Umstände fand ich aber die Tatsache, dass sämtliche Menschen, die in dieser offensichtlichen Vor-Vor-Vorsaison die Insel besuchten, sich ausschließlich und sehr detailreich bei der Firma Jack Wolfskin eingekleidet hatten. Und zwar nicht in der Art und Weise, wie man es von praktisch orientierten Prenzlauer Berger Großstadtdschungel-Bewohnern kennt, sondern eher, nun ja, in der Wolfskin-Unterabteilung für Clownsbedarf. Oder warum sollte man Zirkuszelt-große Jacken in absurden Pastell-Neon-Kombinationen tragen, wenn man ernsthaften Outdoor-Aktivitäten nachgehen will? Damit die echten Wölfe schon von Weitem erkennen, dass man erstens da ist und zweitens vermutlich nicht sonderlich schnell flüchten kann? Wohl eher nicht.

Aus Gründen, die sich mir nicht ganz erschlossen haben, haben alle anderen Mitbewerber dieses Kleidungssegments sich von der Insel komplett zurückgezogen. Man sieht, ganz im Gegensatz zu den Wolkskin-Produkten, weder Angebote in Läden noch Getragenes, was auch beides miteinander zusammenhängen könnte. Was wiederum alles mit einer Tatze Versehenes zu einer Art Pareo für Rügen-Besucher machte. Was mir auch alles egal sein könnte, wenn man nicht irgendwann erstens Augenstechen darob der Farbkombinationen bekäme, die sich mit den blasslila Haaren und sonst in Rentner-beige daherkommenden Outfits beißen. Und zweitens sich wundert und ein Outdoor-Kartell vermutet.

Wie dem auch sei: Wer keine Angst vor Windstärke 12 und Essen in der Geschmacksrichtung viel und fettig hat, sollte mal nach Rügen reisen. Ist schön da. Es gilt aber Dresscode.