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Einkauf aktuell: CDU kauft sich ein

Wir unterbrechen unser Programm für eine kleine Programmempfehlung:

Nein, keine Sorge, über dieser Empfehlung in der fantastischen und dazu noch kostenlosen Programmzeitschrift mit dem klingenden Namen „Einkauf aktuell“ und der Deutschen Post als Herausgeber fehlte nicht das kleine Wörtchen „Anzeige“. Und selbst wenn, wer wollte sich schon darüber aufregen, so lange es nur kostenlos verteile Fernsehzeitungen betrifft und nicht, sagen wir mal, die Rezepteecke einer Zeitschrift aus der Waz-Gruppe.

Viel bemerkenswerter finde ich die sich dahinter verbergende Pressestrategie des Berliner CDU-Bürgermeisterkandidaten, dessen finanzielles Engagement übrigens nicht bei den Programm-Tipps endete:

Klaus Wowereit hat Schnappi, Renate Künast hat die Suche nach dem verlorenen Lächeln erfolgreich beendet, und Frank Henkel kauft die Titelseite der „Einkauf aktuell“. Ja, genau, das ist die Zeitung, die Sie aus dem Briefkasten immer direkt in den Müll werfen, weil sie einfach mit zu vielen Lidl-Prospekten gemeinsam in eine Plastiktüte gepfercht wurde. Aber die CDU ist in Berlin ja für ihre individuelle Wahlwerbung bekannt.

Im exklusiven, im doppelten Sinne einseitigen Interview, das die „Einkauf aktuell“, ein namenloser Interviewer, vermutlich sein Pressesprecher geführt hat, sagt Henkel übrigens, dass er große Sympathie für den Null-Toleranz-Ansatz des New Yorker Ex-Bürgermeisters Giuliani hege. „Mich stört die zunehmende Verwahrlosung unserer Stadt. Graffiti, Hundehaufen, Spielhallen, schmutzige Parks – all das hat in den vergangenen Jahren zugenommen. In verwahrlosten Kiezen gedeiht jedoch Kriminalität, sie sind der Nährboden für Gewalt und Vandalismus.“ Solche Sätze in einer Zeitung, die wohl ohne große Bedenken zu den Werbeprospekten gezählt werden darf, die in der jüngeren Vergangenheit gerne als Zunder für oder auch eigentlicher Gegenstand der Hausflurbrände dienten, entbehrt nicht eines gewissen Sinns für Humor. Also gehen Sie ruhig mal einkaufen aufräumen, Herr Henkel. Vielleicht leiht Ihnen der Kollege Felgner ja sogar sein orange-farbenes Warnwestchen, das er sich extra für solche Tätigkeiten angeschafft hat.

PS: Die Berliner CDU folgt mit dieser Taktik übrigens nur dem guten Beispiel aus NRW. Wegen des durchschlagenden Erfolgs, nehme ich an.