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Was von den Römern übrigblieb

Ich hatte es ja schon erwähnt, ich war im Urlaub. Und zwar, das kann man wohl zugeben ohne gleich wieder gemaßregelt zu werden, man belästige das Internet mit seinem Privatleben, in Italien.

Das Schöne am Reisen ist ja, zumindest meiner Meinung nach, dass man immer dazulernt. Zumindest in den Fällen, in denen man sich nicht auf einer deutschsprachigen Insel namens Mallorca in einen Buffet-Bunker einschließen lässt. Auch in Italien konnte ich mein Wissen mal wieder um einiges erweitern, und da ich den Fleischessern unter den Lesern meine Tiraden über den Mangel an vegetarischen Alternativen außer Irgendwas mit Tomate-Mozzarella ersparen möchte, belasse ich es hier bei den Top 3 der Urlaubserkenntnisse anno 2011:

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3.: Das Müllproblem Neapels ist kein urbaner Mythos

Natürlich hatte ich es vorher schon im Fernsehen gesehen. Aber da alles, was per Medium aus Italien kommt, irgendwie einen Hauch Bunga Bunga mit sich trägt, hielt ich die Geschichten über die Müllberge zu Neapel doch für irgendwie aufgeblasen, implantiert und zurechtgezerrt.

Bis ich es mit eigenen Augen sah:


Wobei das letzte der Bilder natürlich nicht eine öffentliche Mülldeponie, sondern die Attraktion der örtlichen Kirmes darstellt. Aber die Gemeinsamkeiten sind doch offensichtlicher als das Trennende.

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2.: Die Steuererklärung heißt Steuererklärung, weil es sich dabei um eine Erklärung handelt, die man am Steuer verfasst.

Zumindest für den Fall, dass man Fahrer eines Überlandbusses in Süditalien ist, den der nachmittägliche Straßenverkehr von Neapel nicht davon abhält, die Suche nach der Autobahnauffahrt damit zu verkürzen, lästigen Papierkram zu erledigen. Das Steuern eines riesigen Busses durch schmale Straßen, die statt wie vorgesehen ein- gleich dreispurig befahren werden, die Kommunikation per Handy und das gleichzeitige kettenhafte Auswickeln von Bonbons sind schließlich nicht erfüllend genug. Und irgendwann muss dieser Wisch fürs Finanzamt ja ausgefüllt werden.

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1.: Die Volksbank Bari ist Fan von Domenico Modugno und Mario Adorf hat auch mal Volare gesungen.

Wenn man eine kleine Stadt an der apulischen Küste ist, dann hat man es wirklich nicht leicht, wenn man sich denn unbedingt abgrenzen will von all den anderen kleinen Städten an der apulischen Küste. Ein Glück, wenn man dann einen berühmten Menschen als Sohn der Stadt promoten kann, der nicht nur einen Fantasienamen trägt, sondern auch noch einen Welthit wie „Volare“ geschrieben hat. In Polignano a mare ist man auf jeder Fall so stolz auf Domenico Modugno, dass man jedem auch nur im Entferntesten mit Tourismus zu tun Habenden eingebimst hat, dieses gegenüber Besuchern bei jeder Gelegenheit zu erwähnen. Und ich bestätige hiermit gerne: Man hat auch nicht davor zurückgeschreckt, ihm mit der finanziellen Unterstützung eines örtlichen Finanzunternehmens ein Denkmal zu errichten. Überlebensgroß. Mit wehendem Jackett.

Wenn man wie ich in einer Stadt aufwuchs, die bei vielen nur die Assoziation „Ist das nicht da, wo Sasha herkommt?“ hervorruft, rechnet man ab jetzt mit dem Schlimmsten.

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